Führung in der Brauerei Dinkelacker in Stuttgart am 07.07.2026

 

„Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen!“

 

Dass dieser alte Spruch auch heute noch seine Gültigkeit hat, davon konnten sich 37 ehemalige Kolleginnen und Kollegen am 7. Juli 2026 selbst überzeugen. Als Treffpunkt war der Bahnhofsvorplatz in Ludwigsburg um 15.50 Uhr vorgesehen. Wobei einige der Kolleginnen und Kollegen die Brauerei in Stuttgart in der Tübinger Straße auch direkt anfuhren. Wie immer war die Freude über das Wiedersehen groß und alle von uns waren sehr gespannt, was uns bei dieser Brauerei-Führung erwarten würde. Um es gleich vorweg zu sagen: wir wurden nicht enttäuscht!

 

Mit der S-Bahn fuhren wir nach Stuttgart-Feuersee. Von dort ging es dann per Fuß die kurze Strecke bis zur Brauerei Dinkelacker weiter. In der dortigen Brauereigaststätte gab es für uns als Willkommensgruß zunächst einmal ein Glas des frisch gezapften Gerstensaftes.

 

 

Die Stimmung in der Gruppe selbst war auch schon vor diesem erfrischenden Trunk sehr gut, aber es war natürlich trotzdem eine prima Einstimmung auf die anstehende Führung. Doch vorher galt es noch, einen Blick in die auf den Tischen ausgelegten Speisekarten zu werfen. Denn wenig später wurden wir gefragt, was wir nach der Führung hier in der Brauereigaststätte gerne essen würden.

 

 

Es dauerte nicht mehr lange, da trafen unsere beiden Führer, die Herren Walter Kurz und Markus Stengle, ein und der theoretische Teil der Führung begann. So erfuhren wir von Herrn Kurz zunächst einige geschichtliche Fakten zum Unternehmen Dinkelacker. Dabei konnten wir sofort spüren, dass bei ihm die Liebe zu Dinkelacker noch immer ungebrochen stark in seinem Herzen brennt, obwohl er sich bereits etliche Jahre im Ruhestand befindet. Und auch dies war zu spüren: er ist ein Mensch mit ausgeprägtem Humor, mit dem er seinen Vortrag immer wieder auflockerte.

 

Wie Herr Kurz ausführte, ist Dinkelacker wahrscheinlich die größte Privatbrauerei in Baden-Württemberg mit einem Bier-Ausstoß von ca. 60 Millionen Liter Bier im Jahr. Die Anzahl der Beschäftigten beträgt derzeit 250 Mitarbeiter. Und mit spürbarem Stolz erzählt Herr Kurz, dass die Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co bei einem von der Uni Hohenheim im Jahr 2010 durchgeführten Wettbewerb als „Stuttgarts bester Arbeitgeber“ den 1. Platz erzielte und ausgezeichnet wurde.

 

 

Die Geschichte von Dinkelacker geht zurück bis ins Jahr 1888, als Carl Dinkelacker in Stuttgart eine eigene Brauerei gründete. Und bereits im Frühjahr 1889 wird das erste Glas Dinkelacker Bier ausgeschenkt. Es dauerte nicht lange und das Unternehmen entwickelte sich zu einer festen Größe in der Stuttgarter Brauereilandschaft.

 

 

Während ja zunächst nur Bier in Fässern ausgeliefert wurde, führte die Brauerei 1896/97 den Verkauf von Flaschenbier ein, womit die ständig steigende Nachfrage besser befriedigt werden konnte. Und 1900 braut Carl Dinkelacker als Erster in Stuttgart ein Bier nach Pilsner Brauart. Noch heute trägt das CD-Pils seine Initialen im Namen. Zum Schmunzeln der damalige Werbespruch: „Trinke herzhaft, trinke wacker, trinke Bier von Dinkelacker!“

 

In den 1970er und 80er Jahren übernahm Dinkelacker dann die Brauereien Wulle, Sanwald und Cluss, und 1996 schlossen sich die beiden großen Stuttgarter Brauereien Dinkelacker und Schwaben Bräu zusammen. Es war eine Zeit, in welcher der deutsche Biermarkt immer mehr schrumpfte, während die Kosten stiegen und sich das Konsumverhalten spürbar änderte. So hieß es bei der Rundfunkanstalt Deutsche Welle im Oktober 2003: „Deutsche sind echte Biermuffel.“ Und laut einer Studie von Ernst & Young aus dieser Zeit sind zwei von drei deutschen Brauereien nicht überlebensfähig. Die Folge waren weitere Konsolidierungen, Übernahmen und Kooperationen.

 

Diese Entwicklung ging auch an Dinkelacker nicht spurlos vorbei und die Brauerei wird 2004 Teil des internationalen Bierkonzerns Interbrew und durch dessen spätere Fusion mit der brasilianischen AmBev-Gruppe Teil des weltgrößten Brauunternehmens InBev. Der SPIEGEL schreibt hierzu am 23.04.2004: „Deutsche Bier-Barone fallen tief. Der heutige Tag des Bieres ist für Traditionalisten auch ein Tag der Wehmut: Eine deutsche Biermarke nach der anderen wird von ausländischen Großkonzernen geschluckt…“.

 

Vermutlich wollte sich der Urenkel des Firmengründers Wolfgang Dinkelacker, nicht weiter damit begnügen, nur noch ein kleiner Teil in diesem internationalen Großunternehmen zu sein, und kaufte daher 2007 Dinkelacker-Schwaben Bräu wieder zurück in die Selbstständigkeit. Und nach einem weiteren Jahr wird auch die Biermarke Wulle erfolgreich wiederbelebt.

 

Nach diesem Ausflug in die Firmengeschichte folgten einige Angaben zum Pro-Kopf-Verbrauch von Bier pro Person. So lag dieser vor 48 Jahren noch bei 150 Liter pro Person, ist jedoch seit Jahren rückläufig und liegt heute nur noch bei 92 Liter. Im Gegensatz dazu ist der Verbrauch von Wein, Schaumwein und Spirituosen eher stabil oder nur leicht verändert, während alkoholfreie Alternativen dagegen deutlich wachsen und Marktanteile gewinnen. Interessant in diesem Zusammenhang: der höchste Pro-Kopf-Verbrauch bei Getränken liegt heute beim Kaffee mit 168 Liter pro Kopf.

 

 

Nun war der Zeitpunkt gekommen, die Brauerei-Gaststätte zu verlassen, um zur eigentlichen Führung überzugehen. Dazu wurden wir in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe übernahm Markus Stengle, und die andere Gruppe, zu der ich gehörte, wurde von Walter Kurz geführt. Aber Hallo: „O:bachd!“ Erst einmal die leuchtenden Warnwesten anziehen.

 

 

Gleich darauf standen wir schon im Hof dieses riesigen Brauereigeländes, welches wie ein historisch gewachsener Industriehof wirkt. Es ist von Mauern und Toren geprägt, und bei unserer Führung wird deutlich, dass hier Brauereibetrieb, Lager, Technik und Geschichte eng nebeneinander liegen. Carl Dinkelacker hat 1888 diesen Standort am Fuß der Karlshöhe ganz bewusst gewählt, weil er für das Brauen und vor allem für die Lagerung ideal war. 

 

 

Wobei der wichtigste Grund die Kühlung war, denn in die Karlshöhe konnten tiefe Keller und Stollen gegraben werden, in denen das Bier gut lagern und reifen konnte. Dies war damals besonders wichtig, da es ja noch keine modernen Kühlanlagen gab. Außerdem war der Standort damals noch Randlage außerhalb des engen Stadtgebietes und bot somit die Möglichkeit für spätere Erweiterungen.

 

Beim Betreten des Geländes spürt man den Wechsel zwischen Tradition und moderner Technik. Links und rechts liegen Gebäudeteile aus verschiedenen Zeiten dicht beieinander: historische Substanz, die den Charakter des Ortes prägt, und moderne Anlagentechnik, die den heutigen Braubetrieb ermöglicht. Man hat das Gefühl, dass hier Vergangenheit nicht museal ausgestellt, sondern weiterhin benutzt wird.

 

 

Geht man weiter, öffnet sich der Blick auf das eigentliche Herz einer Brauerei: Sudhaus, Lager und Abfüllung. In den Hallen riecht man förmlich die Mischung aus Malz, Technik und kühler Lagerluft. Besonders eindrucksvoll sind die Bereiche, in denen große Tanks, Rohrleitungen und Maschinen die Braukunst fast sichtbar machen — alles wirkt funktional, aber zugleich erstaunlich geordnet und traditionsbewusst.

 

 

Dann kommt der Teil, der dem Ort seinen besonderen Reiz gibt: der historische Brauereikeller und die älteren Gebäudeteile. Hier wird aus dem Industriebetrieb ein Stück Stadtgeschichte. Man spürt, dass dieser Standort über Generationen gewachsen ist, mit Umbauten, Erweiterungen und Sanierungen, aber ohne seinen Kern zu verlieren. Eigentlich ein Stück Stuttgarter Identität – ein Ort, an dem man die Verbindung von Handwerk, Technik und Tradition beinahe mit Händen greifen kann.

 

Mit „Händen greifen“ – und zwar manches Treppengeländer - war bei dieser Führung oft ganz sinnvoll. Und im Lauf der Führung wurde auch klar, weshalb das Team vom ASP in der Beschreibung dieser Veranstaltung extra darauf hingewiesen hat, dass man gut zu Fuß sein sollte. Denn schließlich ist dieses Gelände durch seine Lage unterhalb der Karlshöhe über mehrere Etagen und zahlreiche Treppenkonstrukte verbunden.

 

Jetzt wies uns unser Führer darauf hin, dass Dinkelacker seine Biere ausschließlich nach dem deutschen Reinheitsgebot braut. Das deutsche Reinheitsgebot ist eine der bekanntesten Regeln der Braugeschichte und steht bis heute für Tradition und Qualität. Das Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt als Teil einer Landesordnung erlassen. Und aus dieser Zeit stammt wohl auch die Redewendung „Das schlägt dem Fass den Boden aus!“. Denn wenn in einer Brauerei Bier entdeckt wurde, das anders zubereitet worden war, dann wurde es sofort vernichtet. Und zwar, indem dem Fass der Boden ausgeschlagen wurde. So lief das ganze Bier auf den Boden und konnte nicht mehr getrunken werden. Hat es jedoch trotz aller Anstrengungen einmal nicht geklappt, ein Bier ordnungsgemäß zu brauen, dann sind die Zutaten verloren. Oder anders ausgedrückt: „Da sind Hopfen und Malz verloren!“. Soviel zu diesen heute noch gebräuchlichen Redewendungen aus der Brauerei-Szene.

 

In der Weimarer Republik wurde dann das Reinheitsgebot auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Das Reinheitsgebot besagt, dass zur Bierherstellung nur Wasser, Malz und Hopfen verwendet werden dürfen. Hefe in der heutigen Form hatte man 1516 noch nicht gekannt. Selbstverständlich werden Biere heute nicht mehr gebraut wie vor über 500 Jahren. Bier wird heute in modernen Brauereien unter höchsten hygienischen Standards hergestellt. Dabei kommen Anlagen zum Einsatz, mit deren Hilfe der Brauprozess und die Verarbeitung der Rohstoffe genau gesteuert und überwacht werden. Alle natürlichen Zutaten werden sorgsam ausgewählt und kontrolliert. Und im Unterschied zu ausländischen Brauereien dürfen deutsche Brauereien bis heute keine künstlichen Aromen, keine künstlichen Farbstoffe, keine künstlichen Stabilisatoren, keine Enzyme, keine Emulgatoren und auch keine Konservierungsstoffe verwenden. Das Bierbrauen bleibt nach wie vor auf die Verwendung der vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe beschränkt.

 

Wie wir erfuhren, war das Bier vor dem Reinheitsgebot sehr oft ein Kräuter- und Gewürzgemisch. So wurden zum Beispiel Wacholder, Kümmel, Anis, Koriander, Schafgarbe, Binsenkraut, Wurzeln, Eichenrinde, Ruß, Pech oder sogar giftige Pflanzen wie Bilsenkraut und Stechapfel zugesetzt, wodurch auch gesundheitsschädliche oder sogar giftige Stoffe im Bier landen konnten und Biertrinker daran auch gestorben sind.

 

Und wenn wir schon dabei sind, einen Blick zurück zu werfen, ist es ja interessant zu wissen, dass bereits vor 5 Jahrtausenden Bier gebraut wurde: So ist im Pariser Louvre das „Monument bleu“ zu sehen. Dieses sumerische Werk zeigt in Bildern die Enthülsung der Getreidekörner zur Bierbereitung. Wobei die Entdeckung des Bierbrauens vermutlich kein geplanter Vorgang war, sondern zufällig entstand, als Getreide mit Wasser in Berührung kam und zu gären begann. Jedoch war Bier in Mesopotamien nicht bloß ein Getränk, sondern ein kulturell, religiös und administrativ erfasstes Grundprodukt. Das Bier jener Zeit war allerdings ungefiltert und trüb. Und da die Rückstände von der Zubereitung recht bitter waren, benutzte man zum Trinken dünne Röhrchen, um die Rückstände nicht in den Mund zu bekommen.

 

Auch im 18. Jahrhundert v. Chr. gab es schon gesetzliche Regelwerke für das Brauen. So ist bekannt, dass der babylonische König Hammurabi in seinen Gesetzen u.a. auch die Qualität und den Ausschank von Bier geregelt hatte und für schlechtes oder gesetzeswidrig ausgeschenktes Bier harte Strafen vorgesehen waren mit zum Teil sehr drastischen Maßnahmen gegen Wirte. So sah Hammurabi für Hersteller von wässrigem Bier den Tod durch Ersäufen im eigenen Gebräu vor.

 

Herr Kurz schlug dann noch einen Bogen in das Mittelalter. In der Zeit zwischen der Völkerwanderung und dem hohen Mittelalter stellte jeder Haushalt sein eigenes Bier her. Die Frauen brauten es so selbstverständlich, wie sie Brot backten. Gelang ihnen der Sud besonders gut, so luden sie ihre Nachbarinnen zum «Bierkränzchen» ein. In vielen alten Rezeptbüchern ist der Begriff «Warmbier» enthalten: Dieses Getränk wurde am Morgen zubereitet und mit Ei, Ingwer und Muskatnuss angereichert. Mit diesen Zutaten stellte es für unsere Vorfahren nicht nur ein Frühstück dar, sondern bewährte sich auch als kostengünstiges Hausmittel.

 

Und wir erfuhren, dass es eine Frau war, die erkannt hatte, dass Bier aufgrund der Wärmebehandlung ein reineres Getränk war als Wasser, da es keine Krankheitserreger in sich trug. Es war Hildegard von Bingen die deshalb empfahl: „Trinkt Bier!“ Und auch der Hofapotheker Herzog Wilhelms von Bayern riet den Damen im Jahr 1541: „Bierschaum festigt die Brust und glättet die Haut.“ Generell war das Bierbrauen früher Frauensache. Ja, selbst Luther schwor auf die Braukunst seiner Ehefrau Katharina von Bora und ließ sich das von ihr Gebraute flaschenweise auf seinen Reisen nachschicken. Und auch heute sind noch ca. 6 Prozent der Braumeister weiblich.

 

Sein nächster Hinweis galt dem französischen Chemiker Louis Pasteur, der sich ab 1857 mit Bier beschäftigt hat und danach in seinen Studien belegt, dass die Hefen die Ursachen für die Biergärung sind. Und er hat bewiesen, dass das Bier durch Erhitzen stabil wird. Damit war der Vorgang der Pasteurisierung geboren. Und mit dem Pilsner Urquell beginnt der Siegeszug der untergärigen Brauweise gegenüber der bisherigen Braupraxis mit obergärigen Hefen. Wie wir erfahren, beeinflusst die Art der Hefe entscheidend den Gärprozess und die Art des entstehenden Bieres. Obergärige Hefen benötigen für die Umwandlung von Zucker zu Alkohol eine Temperatur zwischen 15 und 20 Grad. Dabei steigt die Hefe an die Oberfläche und kann später abgeschöpft werden. Untergärige Hefen benötigen dagegen Temperaturen zwischen 4 und 9 Grad. Nach der Gärung sinkt die Hefe auf den Boden des Gärkessels. Um diese Temperaturen über längere Zeit konstant zu halten, hackten die Bierbrauer früher nach strengen Frösten Eis aus Gewässern und konnten damit in tiefen Kellern die Gärbottiche kühlen. Wie gut, dass Carl Linde 1876 seine Kältemaschine erfand und es den Brauereien damit ermöglichte, ab jetzt überall und zu jeder Jahreszeit untergärig zu brauen. Das mühsame Schlagen, Transportieren und Lagern von großen Blöcken aus Natureis war damit nicht mehr erforderlich. Für Dinkelacker bedeutete dies langfristig, dass Technik und Lagerung stärker in die Brauerei selbst verlagert werden konnten, statt vom natürlichen Eis und vom Winter abhängig zu sein.

 

Zum Schmunzeln brachte uns unser Führer mit der netten Geschichte eines 90jährigen Teilnehmers einer Führung, der sich weigerte, Dinkelacker Biere zu trinken. Als Grund nannte er, dass immer dann, wenn er in seiner Jugend mit seiner Freundin auf dem nahen See Schlittschuh laufen wollte, die „Eismänner“ von Dinkelacker kamen und das Eis aufgeschlagen und wegtransportiert hätten.

 

„Bier auf Wein, das lass sein! Wein auf Bier, das rat‘ ich dir!“. Mit diesem bekannten Spruch ging es dann weiter. Dieser Spruch stammt aus einer Zeit, in der Wein als vornehmer galt wie Bier und der Wechsel „nach unten“ als unpassend und zudem als gesellschaftlicher Abstieg empfunden wurde. Und wir erhalten noch eine „Aufklärung“: Ist man besoffen, ist man bekanntlich “blau“. Doch warum steht die Farbe Blau dafür, betrunken zu sein? Nun, färbt man Stoffe blau, nutzt man seit mindestens 6000 Jahren das Farbpigment Indigo. Heute wird es synthetisch hergestellt. Früher stammte es in vielen Teilen der Welt aus der Indigopflanze. Doch im großen Stil nach Europa exportiert und dadurch günstiger wurde das «echte» Indigo erst im 17. Jahrhundert. Vorher hat man Indigo in Europa daher aus Färberwaid, einer Strauchpflanze, gewonnen. Nur reicht es bei Färberwaid nicht aus, beispielsweise zu färbende Wolle in einen Sud aus Wasser und Färberwaid einzulegen: Das Indigo des Färberwaids ist nicht wasserlöslich. Wohl aber löst es sich in Harnstoff – und viel besser noch, falls dieser mit Alkohol angereichert ist. Das hieß für Färber: Man trank zum Blaufärben erst alkoholische Getränke wie Bier (Alkohol war teuer, also zu begehrt, um ihn direkt in den Sud zu kippen), war «blau» und urinierte dann in den Bottich mit Färberwaid. Damit der im Urin-Alkohol-Färberwaid-Gemisch gefärbte Stoff dann blau wurde, musste er an der Luft trocknen. Die beschwipsten Färber hängten die Stoffe auf und taten – eben nichts. Denn sie machten jetzt im wahrsten Sinne ja gerade blau, mussten also auf das Trocknen der Stoffe warten. Daher auch der Spruch: „Der macht schon wieder blau!“.

 

Nicht blau machen, aber eine Pause machen, das muss auch für Brauer möglich sein. In diesem Zusammenhang taucht jetzt der Begriff „Schalander“ auf. Bei Dinkelacker ist der Schalander die Brauer-Brotzeitstube, in der die Brauer ihre Pause machen und etwas essen oder trinken. Wobei diese Brauerstube auch für die Unternehmenskultur wichtig ist, denn sie ist ein Ort für Zusammenhalt, Identifikation und informelle Kulturpflege.

 

Nach so vielen geschichtlichen und historischen Rückblenden und kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Gebäuden in dem gesamten Gebäudekomplex war unser erstes Ziel nun das Herz der Brauerei: das Sudhaus. Hier beginnt der eigentliche Brauprozess: Das Malz wird geschrotet, mit Wasser in der Maischpfanne vermischt und zu Würze verarbeitet; anschließend wird der feste Treber von der Flüssigkeit getrennt. Und hier können wir auch den typischen Brauerei-Duft riechen, der je nach Wetterlage auch in der Umgebung wahrnehmbar sein kann. Nun werden wir mit ein paar Zahlen „abgefüllt“. So erfahren wir, dass 320 Millionen Wasser jährlich durch die Tanks und Rohre gepumpt werden. Benötigt man doch 400 Liter Wasser für 100 Liter Bier. Und 40.000 Kisten und Fässer verlassen jeden Tag hier das Gelände in Richtung Gastronomie, Märkte oder auch das eigene Lager in Weilimdorf. Und noch eine Zahl lässt uns aufhorchen: So füllt die Abfüllanlage 72.000 Flaschen in der Stunde. Schon enorm!

 

Beim Blick auf die großen Kessel betont Herr Kurz ausdrücklich, dass Dinkelacker modern ausgestattet ist und mit Edelstahlbehälter arbeitet anstelle traditioneller Kupferkessel. Die Edelstahlbehälter machen das Brauen sauber, steuerbar und auch wirtschaftlich.

 

 

Im Verlauf des weiteren Rundganges wird uns der gesamte Brauprozess erläutert. Es würde zu weit führen, den gesamten Prozess im Detail zu beschreiben. Daher will ich hier nur die einzelnen Schritte in Kurzform darstellen: Es beginnt natürlich damit, die richtigen Rohstoffe auszuwählen. Für das Bier werden Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet. Wobei Dinkelacker besonders auf regionale Zutaten setzt, zum Beispiel Hopfen aus Tettnang und Sommergerste von der Schwäbischen Alb. Im zweiten Schritt wird nun das Malz grob gemahlen, damit die Inhaltsstoffe anschließend besser gelöst werden können.

 

 

Danach folgt das Maischen. Dabei wird das geschrotete Malz mit Wasser vermischt und erhitzt. Hierbei werden Enzyme aktiviert, die aus der Stärke vergärbaren Zucker machen. Die beiden Maischpfannen, vor denen wir stehen, gehen noch 4 Meter tief in den Boden. Und in jeder dieser Pfannen ist ein großes Rührwerk. Wie wir gesagt bekommen, wird jede dieser Maischpfannen mit 60.000 Liter frischem Brauwasser gefüllt. Das ergibt dann später laut Aussage ca. 6.000 Kasten Bier. Anschließend wird die Maische langsam erwärmt, wobei die in der Maische enthaltenen Enzyme die vorhandene Stärke in Malzzucker (Maltose) und Dextrine aufspalten und das im Malz enthaltene Eiweiß in Aminosäuren zerlegt wird.

 

 

Der nächste Schritt ist das Läutern. Dabei werden die festen Bestandteile nun vom flüssigen Sud getrennt. So entsteht die Würze, also die Grundlage für das spätere Bier. Hier lenkt der Führer unsere Blicke auf das rechteckige Gerät, welches wir hier sehen: Es ist der Strainmaster, ein Gerät zur Trennung von Treber und Würze. Der Treber enthält wertvolle Nährstoffe, vor allem Eiweiß und findet als Viehfutter Verwendung.

 

 

Und jetzt kommt der Hopfen ins Spiel. Dieser wird aus Tettnang bezogen. Wobei Dinkelacker Hopfen-Pellets im Brauprozess vor allem im Sudhaus einsetzt, also beim Kochen der Würze. Die Pellets lösen sich dabei schneller und gleichmäßiger als ganze Dolden, lassen sich gut dosieren und liefern dadurch auch konstante Ergebnisse.

 

Im nächsten Schritt wird die Würze unter der Beigabe von Hopfen traditionell in einer Würzpfanne gekocht. Mit dem Kochen gerinnen die in der Würze gelösten Eiweißstoffe und setzen sich als „Bruch“ ab, die Würze wird sterilisiert, der Hopfen wird ausgekocht und gibt seine Bestandteile an das Bier ab. Die Lösung dämpft ein bis der gewünschte Extraktgehalt der Würze, die Stammwürze, erreicht wird.

 

 

Nun ist Kühlung gefragt. Nach dem Entfernen der Hopfenbestandteile und Trübstoffe wird die Würze durch spezielle Kühlapparate abgekühlt. Die Temperatur, auf die abgekühlt werden muss, hängt dabei von der Art der verwendeten Hefe beim Gärprozess ab. Bei obergärigen Hefen muss die Würze auf 15 bis 22 Grad Celsius abgekühlt werden, bei untergäriger Hefe auf 6 bis 10 Grad Celsius.

 

 

Nach der Kühlung folgt die Gärung: Die abgekühlte Bierwürze wird in Gärtanks gepumpt und mit Bierhefe versetzt, wodurch die Gärung eingeleitet wird. Wir erfahren, wie wichtig dabei die Hefe-Mutterzellen sind. Bei Bierhefe ist das besonders wichtig, weil diese Mutterzellen nach jeder Teilung neue Tochterzellen bilden und so die Hefepopulation während der Gärung wächst. Ohne gesunde Mutterzellen gäbe es keine zuverlässige Vermehrung der Hefe, damit keine konstante Vergärung und somit auch keine gleichbleibende Bierqualität.

 

 

Zur Gärung dürfen nur reine Hefestämme verwendet werden, lediglich für spezielle obergärige Biersorten können auch Hefe-Mischkulturen verwendet werden. Unter Sauerstoffmangel wird ein großer Teil des Zuckers in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. Der Gärprozess dauert 3 bis 10 Tage. Je nach verwendeter Hefe schwimmt die Hefe am Ende der Gärung entweder an der Oberfläche (obergärige Hefe) oder sammelt sich am Boden (untergärige Hefe). Bei Dinkelacker wird dabei auf kontrollierte, teils computergesteuerte Abläufe geachtet, damit die Qualität stets gleich bleibt. Dinkelacker CD Pils, Privat, Export, Märzen usw. werden mit untergäriger Brauhefe vergoren, während Sanwald Weizen obergärige Hefe nutzt.

 

Interessant auch, dass die Hefe nach der Gärung abgezogen, gesammelt und je nach Zustand erneut verwendet wird. Dabei hängt die Wiederverwendung von der Vitalität, Sauberkeit und auch vom Biertyp ab.

 

Nun erfolgt die Lagerung bzw. Reifung. Nach der Hauptgärung wird die Hefe vom Jungbier getrennt. Dieses wird in Lagertanks überführt, wo die Nachgärung erfolgt. Der restliche Zucker wird langsam in Alkohol umgesetzt. Die Lagertanks stehen in der Regel unter Druck, sodass das entstehende Kohlendioxid nicht entweichen kann, sondern als Kohlensäure im Bier gebunden wird. Die Nachgärung kann je nach Biersorte 2 Wochen bis 3 Monate dauern. Während der Lagerung erhält das Bier seine Reife und bildet sein endgültiges Aroma aus.

 

 

Vor dem Abfüllen als letzten Schritt wird die Mehrheit der Biere filtriert, um Trübungsbestandteile (Hefe und Eiweißpartikel) zu entfernen. Nach der Filtration wird das Bier dann in Fässer, Flaschen oder Dosen abgefüllt und ausgeliefert.

 

 

Bei unserem Rundgang kommen wir auch an den Wassertanks für das Brauwasser vorbei und sehen, welche großen Tankflächen für 5 Millionen Wasser benötigt werden. Wie uns gesagt wird, wurden bis vor 30 Jahren für 100 Liter Bier noch 1.200 Liter Wasser benötigt. Für Reinigen, sauber machen, spülen, verdampfen usw.. Durch die neuen Technologien sind es heute nur noch knapp 400 Liter, insgesamt so ca. 260 Millionen Liter Wasser im Jahr. Mit der EnBW sind entsprechende Zeiten vereinbart, in denen das Wasser bezogen wird, um die Versorgung der übrigen Abnehmer nicht zu gefährden.

 

 

Bevor wir im Lager- und Gärkeller waren, führte uns der Rundgang noch über die Bereiche Würzekühler und über die Entalkoholisierungsanlage. Letztere war jedoch nur für das gebraute Bier gedacht und nicht für unsere Gruppe. Gegen Ende des Rundganges hieß es dann: Vorsicht! Kopf einziehen!

 

 

Im Lagerkeller erfahren wir nun noch weitere Informationen zum Thema Abfüllung, bevor wir nach ca. 1 ¾ Stunden wieder zurück in die Brauereigaststätte gehen. Dort werden wir nach kurzer Erläuterung zu den 5 verschiedenen Biersorten, die in Flaschen auf unseren Tischen platziert sind, ermuntert, diese Biere nun selbst zu verkosten. So können wir die Unterschiede bei Farbe, Duft, Geschmack, Körper usw. selbst schmecken und vergleichen. Passend dazu werden uns nun auch die Speisen serviert, die wir zu Beginn bereits bestellt hatten. Die Portionen waren alle reichlich und sehr lecker. Sie boten damit eine gute Grundlage für etliche Schluck Bier, die wir ja jetzt noch probieren und genießen konnten. Die lustige Stimmung an den Tischen zeigte, dass der heutige Nachmittag und die Brauereiführung allen sehr gut gefallen hat.

 

Dem Organisationsteam dieser gelungenen Veranstaltung, unseren Kolleginnen Petra Grossmann und Beate Mauermann sowie unserem Kollegen Roland Schütt, gilt unser herzlicher Dank. Ihr habt Euch einen kräftigen Schluck des köstlichen Getränks verdient, ganz im Sinne des bekannten Trinkspruches: „Jeder Tag hat seine Plagen. Ein Krüglein Bier schafft Wohlbehagen.“ Mit viel neuem Wissen und tollen Eindrücken versehen, ging es nun wieder zurück zum Bahnhof am Feuersee und von dort mit der S-Bahn nach Ludwigsburg. In der S-Bahn und beim späteren Abschiednehmen war oft zu hören:  „Des war heit eifach wieder schee – s’isch halt eifach toll mit unserm ASP!“

 

 

Horst Neidhart

 

 

 

Fotos: Petra Benub, Herta Stahl und Horst Neidhart

Fotobearbeitung und Gestaltung: Rolf Omasreither

 

Wo die Sau küsst, oder:

Wer hier vorbeikommt, hat echt Schwein gehabt!

 

Und wir hatten wirklich „Schwein gehabt“. Wir, die 30 ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, die sich am Dienstag, den 16. Juni 2026, morgens um ca. 08:00 Uhr am Ludwigsburger Busbahnhof trafen. Jeder von uns freute sich über das Wiedersehen, aber auch darüber, dass heute ein echt gutes Wanderwetter herrschte. Der Organisator des heutigen Tages, unser Kollege Uli Bertsch, begrüßte alle Ankommenden herzlich und freute sich, dass alle Teilnehmenden pünktlich eintrafen. Unser Ziel war heute der Blaubeurer Felsenstieg, den Uli Bertsch als Wandertour für uns organisiert hatte. Und wir sollten dabei ja noch mehr „Schwein haben“, doch davon später mehr.

 

Dann dauerte es nicht mehr lang, und der Hönes-Bus traf ein. Also einsteigen, Plätze gab es ja genügend. Der Fahrer mit dem Vornamen Klaus begrüßte uns freundlich und informierte uns mit spürbarem Stolz, dass dies ein nagelneuer Bus sei und heute auch die erste Fahrt mit ihm. Wenig später ergriff Uli Bertsch das Mikrofon und hieß uns alle nochmals herzlich willkommen. Er gab uns einige Informationen zu der heutigen Wandertour und betonte dabei, wie sehr er sich darüber freue, diese Wanderung mit uns zusammen zu unternehmen. Und als kleine Vorabstärkung gab es jetzt erst einmal eine frische Brezel für alle, die Appetit darauf hatten.

 

Nach nicht ganz zwei Stunden waren wir in Blaubeuren, der Perle der Schwäbischen Alb, am Bahnhof angelangt. Die Stadt ist von bewaldeten Höhenzügen und – wie wir später noch sehen werden – von vielen schroffen Felsen umgeben und liegt im Talkessel der Urdonau. Also aussteigen, Rucksäcke wieder auf den Rücken, und dann konnte es losgehen. Wir waren wirklich schon alle sehr gespannt, was uns erwarten würde. Uli Bertsch hatte vorab schon darauf hingewiesen, dass eine durchaus anspruchsvolle Wanderung vor uns liege, die vielen Highlights entlang der Strecke die Mühe jedoch lohnen würde. Da fiel mir spontan das alte Sprichwort ein: „Wandern ist der beste Weg, um festzustellen, dass man doch ein bisschen konditionellen Nachholbedarf hat.“ Hoch motiviert und auch neugierig auf das, was uns erwarten würde, zogen wir dann los.

 

 

Nein, nicht mit einem gemütlichen Stadtrundgang. Treppensteigen war zunächst mal angesagt, bevor es danach auf schmalen Waldpfaden weiter aufwärts ging. Immer wieder führte uns der Weg an markanten Felsformationen vorbei. Da tauchte natürlich bei manchen in der Gruppe die Frage auf, wie sind denn diese Felsen entstanden und wie alt sind diese? Im Grunde sind diese Felsformationen vor allem durch drei große Prozesse entstanden. So befand sich vor rund 200 Millionen Jahren hier ja das Jura Meer, in dem kalkbildende Organismen (z.B.: Muscheln, Schwämme und Korallen) lebten, die Schalen und Skelette aus Kalzit bildeten. Nach ihrem Absterben lagerten sich die kalkigen Überreste am Meeresboden ab, wo sie sich dann über Jahrmillionen zu massivem Oberjurakalk verfestigten. Und dort, wo solche fossilen Riffe lagen, entstanden besonders harte Massenkalk-Steinlagen, die sich später als Felsen herauswitterten. Als dann in der Kreidezeit und später im Tertiär die Region der Schwäbischen Alb emporgehoben und etwas nach Südosten gekippt wurde, begünstigte dies das Herausprägen dieser steilen Felswände und Aussichtsfelsen, die wir hier auf unserer Wanderung bestaunen konnten. Damit wird auch verständlich, warum diese Route auch als Eiszeitpfad bezeichnet wird.

 

 

Doch von der Eiszeit spürten wir jetzt nichts, stattdessen mussten wir zwischendurch schon mal die ersten Schweißtropfen von der Stirne wischen. Aber auch dies ist eine alte „Wanderer-Weisheit“: Gemeinsam schwitzen verbindet! Der Weg führte uns in Serpentinen durch einen dichten Mischwald. Der Pfad ist gut ausgebaut, aber stellenweise auch steil und steinig. Und nach dem Überwinden der ersten 100 Höhenmeter haben wir dann auch wirklich „Schwein gehabt“, denn nun zeigte sich uns die „Küssende Sau“, ein besonders ausgeprägtes Felsengebilde, welches durch Erosion seine charakteristische Form bekommen hat. Die beiden Felsen sehen aus wie zwei Schweine, die sich küssen, daher der Name. Und mit etwas Phantasie kann man dies auch erkennen.

 

 

Wir wollten die sich Küssenden auch nicht länger stören und sind weitergewandert, erneut an Felsgebilden vorbei und immer weiter aufwärts. Zwischen den Kolleginnen und Kollegen gab es rege Gespräche. Und generell war festzustellen, dass in der Gruppe eine sehr gute Stimmung herrschte. So wurde auch der nächste Treppenanstieg zur Ruine Günzelburg zügig bewältigt. Die Ruine Günzelburg ist die Ruine einer Felsenburg auf einem 685 m ü. NN hohen Felsturm.

 

 

Oben angekommen, bietet sich uns ein herrlicher Ausblick in das Achtal. Danach ist eine kurze Pause angesagt. Denn wie heißt es so treffend bei Wanderfreunden: „Pausen sind keine Schwächen, sondern gelebte Wanderkultur.“ Etwas später führt uns der Weg am Waldrand entlang, bevor es danach im Wald wieder weiter abwärts geht. Etwa eine Viertelstunde später stehen wir dann am Marktbrunnen in der Altstadt von Blaubeuren, einer der besterhaltenen mittelalterlichen Städte im Südwesten.

 

 

Der Marktbrunnen ist ein eher kleiner, aber sehr charakteristischer historischer Brunnen auf dem Marktplatz. Er besteht aus einem achteckigen Brunnentrog, darüber steht eine kannelierte (geriffelte) Säule mit Kompositkapitell (der Schmuckform am Kopf der Säule) und oben darauf ein steinerner Löwe. Dieser ist als Wappenhalter dargestellt, der in seinen Pranken die Wappen von Württemberg und Blaubeuren hält. Mit Löwe und Wappenhalter-Funktion bringt der Brunnen Heraldik und Herrschaftsbezug auf den Platz, also Stadtidentität und Landeszugehörigkeit in einer einzigen Figur.

 

 

Das Wappen von Blaubeuren zeigt das sogenannte Blaumännle: einen blau gekleideten Mann mit grünem Kranz im Haar, der in beiden Händen je eine schwarze Hirschstange hält. Dabei schaut das Blaumännle sehr freundlich auf uns herab, so als wollte es sagen: Willkommen in Blaubeuren, schön dass ihr da seid! Der Brunnen ist vermutlich schon im 16. Jahrhundert entstanden, der Trog wurde später, vermutlich im 19. Jahrhundert, erneuert.

 

 

Das Rathaus von Blaubeuren ist ein zweigeschossiger, langgestreckter Fachwerkbau über einem massiven Erdgeschoss. Es wurde 1425 als Fruchtkasten mit Amtsräumen für den Bürgermeister erbaut. 1932 erfolgte dann ein umfassender Umbau, und von 1962 bis 1966 erfolgte der Ausbau des Dachgeschosses. Heute dient das Gebäude als Ortschaftsverwaltung.

 

 

Nach der kurzen Pause am Marktbrunnen geht es für uns nun in der Klostergasse weiter. Links sehen wir ein Gebäude mit repräsentativer Fachwerkfassade, einem massiven Erdgeschoss und einem sehr markanten Giebel. Eine Inschrift an der Fassade zeigt uns, dass es sich hier um ein ehemaliges Wohnhaus aus dem Jahr 1602 handelt. Es wird heute als „Matthäus Alber-Haus“ bezeichnet, in Gedenken an den ersten evangelischen Abt und Leiter der Klosterschule Blaubeuren. Das Gebäude wird von der evangelischen Kirchengemeinde als Gemeindehaus genutzt.

 

 

Wir kommen noch an weiteren imposanten Fachwerkhäusern vorbei und können rechts schon den Kirchturm der Klosterkirche sehen. Kurz danach geht es für uns an der beeindruckenden Klosteranlage vorbei. Die Klosteranlage Blaubeuren ist eine der bedeutendsten historischen Anlagen der Schwäbischen Alb. Sie wurde 1085 als Benediktinerkloster gegründet, später zwischen 1466 und 1510 im spätgotischen Stil umgebaut und ist heute in großen Teilen noch erstaunlich gut erhalten. Das Kloster war ursprünglich ein Benediktinerkloster und wurde nach der Reformation zu einer evangelischen Bildungsstätte. Architektonisch ist die Anlage vor allem wegen ihres spätgotischen Charakters wichtig. Besonders bekannt sind der Hochaltar und das Chorgestühl, die als Werke der Ulmer Schule gelten und kunsthistorisch überregional bedeutsam sind.

 

 

Ja, und dann sehen wir diese große Plakatwand mit der Überschrift „Sanierungsgebiet Blautopf-Areal“. Auch wenn wir schon im Vorfeld wussten, dass der Zugang zum Blautopf nur eingeschränkt möglich sei, so waren wir zugegebenermaßen dann doch etwas enttäuscht, als wir an seinem Ufer angelangt waren. Denn Blaubeuren und sein Blautopf gehören einfach zusammen. Jedoch, und das ist zu akzeptieren, entspricht das Areal heute nicht mehr den Anforderungen bezüglich Sicherheit, Erhalt, Barrierefreiheit und Modernität, wie es seitens der Stadt verlautet und weshalb diese umfangreichen Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind.

 

 

Oder sollte es noch einen anderen Grund geben, der nur nicht öffentlich genannt wird? Sucht die Gemeinde eventuell noch immer im Blautopf nach der „schönen Lau“? Tief unten im klaren Wasser des Blautopfs lebte – wie Eduard Mörike dies beschreibt - die Schöne Lau, eine wunderbare Wasserfrau mit langem Haar und traurigem Herzen. So schön sie auch war, sie konnte nicht glücklich sein, denn ihr Schicksal lastete schwer auf ihr: Sie sollte erst dann erlöst werden, wenn sie fünfmal von Herzen lachen könnte.

 

Darum verließ sie immer wieder ihre Wasserwelt und suchte die Nähe der Menschen.

 

Als sie sich mit der Familie der Wirtin des Klosterhofes anfreundet, wird sie in alltäglichen Situationen vom Lachen übermannt, etwa als sie gekitzelt wird, als sie merkt, warum das Kleinkind auf einem Keramiktöpfchen sitzt, das sie als besonders hübsches Kunstwerk bewundert hat. Aus einem ersten Lächeln wurde ein Lachen, und aus dem Lachen wieder ein neues Stück Leichtigkeit. So wandelte sich die traurige Wasserfrau langsam zu einer glücklicheren Gestalt. Als sie schließlich das fünfte Mal herzlich lachte, nachdem sie den Spruch vom Klötzle Blei aufsagte, war der Bann gebrochen. Die Schöne Lau kehrte gelöst zu ihrem Gemahl zurück — und ihr Märchen blieb als eine der schönsten Sagen vom Blautopf in Erinnerung. Mein Tipp: Probieren Sie es doch einfach selbst einmal aus und versuchen Sie, diesen Spruch mehrmals schnell und laut zu sprechen:

 

»'s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei«

 

Ich vermute, auch Sie und eventuelle Zuhörer werden lachen müssen.

 

 

Unabhängig davon ist der Blautopf wohl Deutschlands schönste Karstquelle. Und der Quelltopf, an dem wir dann stehen, verzaubert durch sein intensives Blau, wovon wir uns trotz der die Romantik störenden Umzäunungen etwas – wenn schon nicht verzaubern – so doch überzeugen konnten. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die historische Hammerschmiede. Dieses Werkstattgebäude am Blautopf wurde 1744 als Schleifmühle errichtet und 1804 zu einer Hammerschmiede erweitert. Doch leider kann auch dieses interessante Objekt wegen der laufenden Sanierungsarbeiten derzeit nicht besichtigt werden. Wir müssen uns mit dem Blick hinüber begnügen. Und so ging es für uns anschließend wieder am Kloster vorbei zurück in die Altstadt.

 

 

„Da vorne kommt eine Wirtschaft, und da geht rechts eine Treppe hoch“, lautete der Hinweis von Uli Bertsch. Na also, unsere Stimmung ist trotz der Einschränkungen durch die Sanierungsarbeiten gut, und so ging es für uns nun wieder zügig stetig bergauf. Es sollte nicht lange dauern, säumten erneut imposante Felsengebilde unseren Weg. Oben am Blaufels in 653 m ü.N.N. wurden wir mit einem wunderschönen Ausblick auf Blaubeuren belohnt. Es war zu spüren, dass sich alle in der Gruppe freuten, dass sie die Wanderung bisher so gut bewältigt hatten. Und ich bin mir auch sicher, die gute Stimmung in der Gruppe hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

 

 

Auf einem sehr fußfreundlichen Waldweg ging es weiter. Auch hier wieder einige Felsen am rechten Wegrand sowie etliche knorrige Bäume. Dies inspirierte einige Kolleginnen unter uns, kurz innezuhalten, um durch das Umarmen des kräftigen Stammes selbst auch Kraft zu tanken. Dass sie dabei ihren Spaß hatten, war klar zu erkennen. Wie sagte schon der libanesische Philosoph Khalil Gibran so treffend: „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“

 

 

Inzwischen hatten wir einen größeren Rastplatz erreicht. Es gab genügend Sitzplätze für uns alle. Also, Rucksäcke aufgemacht und Vesperdosen rausgeholt. Denn ein schwäbischer Spruch lautet ja: „Ohne Vesper geit’s koi gscheide Wanderung!“ Und natürlich das Trinken auch nicht vergessen!

 

 

Unser nächstes Ziel war jetzt das Rusenschloß. Das Rusenschloß ist die Ruine der Burg Hohengerhausen oberhalb von Blaubeuren, auf einem Felsen über dem Blautal. Sie gehört zu den markantesten Aussichtspunkten der Gegend und bietet einen weiten Blick ins Ach- und Blautal. Die Burg wurde nach den vorliegenden Informationen um 1080 von Graf Hartmann II. von Dillingen erbaut und später im 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut. Ab dem 16. Jahrhundert verfiel sie zunehmend und wurde schließlich teilweise abgetragen, beziehungsweise als Steinbruch genutzt. Heute sind noch Reste der Ringmauer, des Wohnturms und weitere Mauerteile erhalten. Ein beeindruckendes Denkmal früher Jahrhunderte.

 

 

Nun ging es wieder abwärts nach Blaubeuren, vorbei an der „Kleinen Grotte“, einer markanten Naturformation mit grottigem Charakter. Ins Auge fällt uns der große Felstorbogen und die über seitlich aus dem Felsen gehauenen Stufen als Zugang zur Grotte. Kurz darauf waren wir an der Blau angelangt. Nun war es auch nicht mehr allzu weit bis zum Bahnhof Blaubeuren, wo Klaus, unser Busfahrer, auf uns wartete.

 

 

Und mit dem Bus ging es nun weiter nach Berghülen, denn dort hatte Uli Bertsch für uns im Gasthof-Hotel „Zum Ochsen“ Plätze reserviert. Da er uns schon auf der Hinfahrt die umfangreiche Speisekarte des Restaurants gegeben hatte, und wir darauf vermerkten, welches Gericht wir zu uns nehmen wollen, ging es nun mit dem Service auch sehr zügig. Mit dem „Ochsen“ hatte Uli Bertsch eine sehr gute Wahl getroffen, denn wir alle waren mit den servierten Speisen sehr zufrieden, alles war sehr schmackhaft.

 

 

An den Tischen herrschte eine rege Unterhaltung, Hatten wir doch auch viel gesehen und erlebt, und wir waren alle zugegebenermaßen auch etwas stolz darauf, dass wir diese durchaus anspruchsvolle Wanderung so gut bewältigt hatten. Der Zeitpunkt für die Heimfahrt mit dem Bus rückte schnell näher. Auch die Rückfahrt erfolgte zügig. Uli Bertsch nahm noch einmal das Mikrofon und betonte, dass ihm der Tag mit uns und das gemeinsame Wandern gut gefallen hat. Und auch wir bedankten uns bei ihm für die Idee zu dieser Wandertour sowie für die gute Organisation. Wir waren uns alle einig, dass wir eine sehr schöne und durchaus auch anspruchsvolle Wanderung mit viel Fels, Wald und toller Aussicht absolviert und einen sehr schönen Tag erlebt hatten. Eine Tour mit intensiven Erlebnissen, die uns - da bin ich mir sicher - noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Und erneut hat sich gezeigt, dass wir mit unserem ASP und seinem Team immer wieder aufs Neue viel Schönes und Interessantes erleben dürfen. So freuen wir uns auch schon heute auf das nächste Event und sagen wie immer:        

                    

Mit unserm ASP isch’s halt immer schee!“

 

 

Horst Neidhart

 

 

Fotos: Herta Stahl und Horst Neidhart

Fotobearbeitung und Gestaltung: Rolf Omasreither

 

„Um lange zu sitzen, genügt oft ein kurzes Geständnis“,

 

soweit der Schweizer Buchautor Kurt Haberstich. Doch wir wollten ja nicht lange sitzen, sondern waren schon sehr gespannt, was wir heute bei der anstehenden Führung im Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg alles sehen und erfahren würden.

 

Wir, das waren 40 ehemalige Kolleginnen und Kollegen, die sich am 12. Mai um 11:45 Uhr vor dem Amtsgericht in Ludwigsburg trafen und sich über das Wiedersehen sichtlich freuten. Von hier ging es dann zuerst einmal die wenigen Meter zum Restaurant Badgarten zum Mittagessen.

 

 

Danach war es wieder Zeit, zur Schorndorfer Straße hochzugehen. Das Ziel war jetzt das Gebäude mit der Hausnummer 38. Dort, in diesem von außen unscheinbarem Gebäude, ist das Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg untergebracht. Was uns als erstes auffiel, bevor wir noch die Eingangstüre passierten, war die von einem Fenster im 1.OG herabhängende Strickleiter. Die Erklärung dafür konnten wir auf einer Texttafel lesen, siehe spätere Ausführungen zum Bericht über den Ausbruchsversuch des Häftlings Walter Dorn.

 

 

 

Doch dann hieß es: „WILLKOMMEN IM KNAST!“ Unsere beiden Führer, Herr Dr. Erich Viehöfer und Herr Alfred Schlatterer, erwarteten uns schon und begrüßten uns sehr herzlich. Unsere Gruppe teilte sich nun hälftig auf. Eine Gruppe begann dann unten mit Herrn Dr. Viehöfer die Führung, zu dieser Gruppe gehörte auch ich. Die andere Gruppe ging mit Herrn Schlatterer ein Stockwerk nach oben. Später wechselten die Gruppen die Stockwerke, wobei die beiden Führer jetzt jeweils die andere Gruppe übernahmen.

 

Wie wir zu Beginn erfuhren, hat der letzte Insasse am 20.Mai 1990 das Gefängnis in Ludwigsburg verlassen und wurde in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Heimsheim überstellt, die im Mai 1990 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Die Schließung der JVA Ludwigsburg erfolgte aufgrund des Stadtstrukturgesetzes. Dies markierte damit das Ende von über 250 Jahren Strafvollzug an diesem Ort. Die Schließung warf jedoch die Frage auf, was mit der hier vorhandenen Lehrmittelsammlung passieren sollte. Aber auch, wie die Geschichte der Anstalt sowie die einzigartigen, historisch und gesellschaftlich relevanten, Objekte aus dem Strafvollzug weiterhin erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Und so entstand der Gedanke zur Gründung dieses Museums und dessen Förderverein.

 

 

Das Museum wurde am 22.09.1988 eröffnet. Wobei zunächst nur im Erdgeschoss die Ausstellung zum historischen Strafvollzug gezeigt wurde. Erst vier Jahre später wurden dann auch die Räume im Obergeschoss bezogen. Im Erdgeschoss gibt es zwei Themenschwerpunkte. So können sich die Besucher hier über den historischen Strafvollzug mit den Schwerpunkten der öffentlichen Strafen, der Körper- und Ehrenstrafen sowie über die Geschichte der Todesstrafe und über die schwerste Form der Freiheitsstrafe, das Zuchthaus, informieren. Auf einer Text- und Bildtafel können wir sehen, dass im Mai 1736 der damalige Herzog Karl Alexander die Einrichtung eines Zucht- und Arbeitshauses befohlen hat, welches dann am 14. August 1736 eröffnet wurde. Der zweite Schwerpunkt betrifft die historische Lehrmittelsammlung, die den Haftalltag in der Zeit um 1930 aufzeigt. Im Obergeschoss geht es dann überwiegend um die Haft der RAF und um den modernen Strafvollzug. Hier werden Objekte aus dem Haftalltag der 1970er Jahre bis heute gezeigt.

 

 

Doch nun will ich Sie nicht länger „auf die Folter spannen“. Denn was wir so lässig als geläufige Redewendung verwenden, hatte ja einen ernsten und für die Betroffenen sehr schmerzhaften Hintergrund.  Und damit waren wir beim Thema „Folter“ angekommen und standen nun vor der „Aufzugsmaschine“, einem Foltergerät 2. Grades aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit.

 

 

Während es sich bei der Folter 1. Grades noch um eine „leichtere Folter“ handelte, bei der Daumenschrauben und/oder Beinschrauben eingesetzt wurden, um starke Schmerzen zu verursachen, jedoch ohne bleibende Schäden. Ziel war hier die Einschüchterung und ein erstes Geständnis bei dringendem Tatverdacht.

 

 

War dies nicht erfolgreich, ging es dann mit der Folter 2. Grades weiter. „Die Winde zieht, die Stille schreit — die Maschine hebt, bis Hoffnung schweigt.“ Kam so eine Aufzugsmaschine zum Einsatz, wurde das Opfer an den Handgelenken mit einem Seil gefesselt, das über eine Rolle oder einen Aufzugmechanismus lief. Die Winde wurde hochgedreht, so dass der Häftling – oft auch noch mit Gewichten an den Füßen – in die Luft gehoben wurde. Durch das eigene Körpergewicht rissen die Schultern aus den Gelenken, Sehnen und Muskeln wurden zerfetzt. Zusätzlicher Horror war dann ein plötzliches Loslassen, welches zu schweren Sturzverletzungen und/oder Wirbelbrüchen führte. Dieses Foltergerät wurde insbesondere zur Geständniserpressung verwendet, wenn trotzt dringendem Tatverdacht kein freiwilliges Geständnis vorlag.

 

 

Also überlegen Sie es sich bitte, bevor Sie mal wieder sagen: „ Heit nemm i’s locker und häng‘ so a bissele rum!“. Neben der Aufzugsmaschine gab es noch das Hängen als Todesstrafe.

 

Danach standen wir vor einem Foto, welches den Pranger von Schwäbisch Hall zeigt. Es ist der schönste erhaltene Pranger Deutschlands. Ursprünglich stammt der Begriff „Pranger“ aus dem Mittelalter, als Übeltäter zur Abschreckung auf einem Marktplatz angekettet und zur Schau gestellt wurden – unter Spott, Hohn und manchmal Gewalt der Zuschauer.

 

 

Ludwigsburg hatte zwar keinen Pranger, aber laut Herrn Dr. Viehöfer eine Schandgeige. Sie diente damals bei kleineren Vergehen wie Streitsucht, Trunkenheit und Völlerei, quasi als mobiler Pranger zur öffentlichen Demütigung. Hierbei handelte es sich um ein hölzernes Gerät mit drei Löchern: eins für den Hals, zwei für Handgelenke. Der Delinquent wurde eingespannt und an Markttagen über den Marktplatz geführt und so der öffentlichen Schande ausgesetzt. Im Gegensatz zu blutigen Strafen war sie "schmerzfrei", aber psychisch zerstörerisch.

 

 

Dann wurden wir auf eine weitere, jetzt aber wieder schmerzhafte Strafe hingewiesen, die uns etwas schaudern ließ: die Brandmalerei, ebenfalls eine Leibesstrafe im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Hierbei wurde dem Verurteilten mit einem glühenden Eisen ein Schandmal auf Stirn, Wange, Hand oder Schulter eingebrannt. Dazu wurde das Eisen im Feuer erhitzt und unter Zeugen aufgedrückt, wobei die Intensität je nach Delikt variierte. Und wenn wir heute sagen, dass uns etwas unter den Nägeln brennt, weil es ganz dringlich ist, denken wir auch nicht unbedingt daran, dass dies eine mittelalterliche Folterpraxis war, um durch die auf Fingerspitzen gelegte glühende Kohle ein Geständnis zu erreichen. All diese „Ehrenstrafen“ hatten den Sinn, den Verurteilten öffentlich bloß zu stellen. Denn die Ehre galt damals als hohes Gut, und somit waren diese Strafen für die Verurteilten eine durchaus schwere Strafe.

 

 

Aber jetzt nur nicht den Kopf verlieren! Denn jetzt standen wir vor der Guillotine.  "Das Gerät senkt sich blitzartig; der Kopf fliegt; der Mensch ist nicht mehr." So beschreibt der Arzt Joseph-Ignace Guillotin seine Idee einer neuen Hinrichtungs-Apparatur. Wie uns gesagt wurde, handelt es sich bei dem hier gezeigten Exponat um die Tlggemann’sche Fallbeil-Maschine“, gebaut im Jahre 1946 von Otto Tiggemann in Hamm/Westfalen. Die Besonderheit bei diesem Exponat ist die Kippbank, auf der man den aufrecht stehenden Delinquenten bäuchlings festschnallt. Anschließend wird die Bank um 90 Grad gekippt, so dass sich der Verurteilte nun auf dem Bauch liegend in der Waagerechten befindet. Nun wird die Bank nach vorne gerollt, bis der Kopf unter der Klinge liegt. Die Klinge ist relativ schwer und entwickelt dadurch bereits nach einer kurzen Fallstrecke ausreichend Schlagkraft, um den Hals des Verurteilten glatt zu durchtrennen.

 

 

Doch wie kam es überhaupt zur Guillotine? Im Frühjahr 1792 sah sich der Scharfrichter von Paris, Charles-Henri Sanson, vor einer unlösbaren Aufgabe. Fortan sollte er alle zum Tode Verurteilten enthaupten, ohne ihnen "Qualen zu bereiten". Denn so verlangte es das neue französischen Strafgesetzbuch von 1789. Und wie wir auf einer Texttafel sehen, wurde auch in Württemberg bis 1853 noch die Enthauptung mit dem Schwert durchgeführt. Wobei dies den Henker vor die Herausforderung stellte, mit einem Schlag zwischen zwei Halswirbeln den Kopf vom Rumpf zu trennen. Die neue Apparatur avancierte in kurzer Zeit zu einem Kultobjekt einer dem technischen Fortschritt huldigenden, begeisterten Generation. Ja, selbst Goethe war davon begeistert, wie aus einem Brief an seine Mutter zu erkennen ist. Denn in diesem Brief hatte er seine Mutter um eine Miniatur-Guillotine als Spielzeug für seinen damals fünfjährigen Sohn August gebeten. Ein Ansinnen, welches seine Mutter jedoch empört ablehnte und das Geschenk als „infame Mordmaschine“ verdammte. Wie wir erfuhren, standen hier im Zuchthaus in der Schorndorfer Straße bei Kriegsende drei Guillotinen. Aber keine wurde mehr eingesetzt, sondern man hat alle drei unter der Neckarweihinger Brücke im Neckar versenkt. Das hier ausgestellte Exponat stammt aus Rastatt.

 

 

Wer von uns kennt sie nicht, die Redensart: „Heute fühle ich mich wie gerädert“. Wird auch gerade so dahingesagt, dabei war das Rädern bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine oft vollstreckte Hinrichtungsart. Auf einer Text- und Bildtafel können wir das etwas genauer betrachten.

 

 

Nach diesem durchaus etwas „blutigem Auftakt“ (Originalton Dr. Viehöfer) ging es nun wieder weiter. Und wenn Sie sich zwar nicht wie „gerädert“, aber doch manchmal wie „geprügelt“ fühlten, sind wir beim nächsten Thema angelangt, der Prügelstrafe. Wer hier vor ca. 300 Jahren in das Zuchthaus kam, erhielt erst mal eine Tracht Prügel, quasi als Willkommensgruß, damit man wusste, wo man war. Auf der Schautafel sehen wir dann, dass die Zahl der Schläge für „Willkommen“ und für „Abschied“ klar festgelegt waren. Für die Männer gab es die Schläge meist mit der Peitsche oder mit dem Stock, für die Frauen und Kinder eher mit der Rute. Dazu wurden die Verurteilten nackt auf einen sog. „Prügelbock“ gelegt, Kopf, Hände und Beine fest fixiert, damit Gesäß oder Rücken gut zugänglich waren, um ihnen dann die Stock- oder Peitschenhiebe zu verabreichen.

 

 

Gleich neben dem Prügelbock konnten wir eine andere Fixier- beziehungsweise Sicherungsvorrichtung sehen: den eisernen Hosenträger. Dieser bestand aus Metallbändern, Ringen oder Spangen, die entweder direkt an Kleidungsstücken (z. B. am Hosenbund) am Körper angebracht wurden. Alternativ gab es auch ein Y-förmiges Metallband, das über die Schultern lief und vorn mit einer Öse endete, die an einer fixen Vorrichtung arretiert wurde. Die Wirkung war eine sehr eingeschränkte Mobilität.

 

Dann bekamen wir noch den interessanten Hinweis, dass sich auch Goethe schon genau in diesem Raum, in dem wir jetzt standen, einmal aufgehalten hat, und zwar am 15. Dezember 1779. Aber er war nicht im Zuchthaus, sondern dies war damals der sog. Schulmeisterbau. Goethe besuchte da seinen Freund Gottlob David Hartmann, den Sohn des Schulmeisters. Und Herr Dr. Viehöfer meinte dazu, dass in diesem Gebäude also nicht nur Räuber und Mörder hier verkehrten, sondern auch Prominente. Als weiteres Beispiel nannte er uns Erich Baumann, der hier im Gefängnis Justizbeamter war und einen Stock über diesen Raum gewohnt hatte. Dessen Hobby war ja das Fotografieren. Der Schritt vom Hobby-Fotografen zur eigenen Fotoagentur erfolgte nach der Fußball-WM 1954 in der Schweiz, wo Deutschland Weltmeister und Baumann mit seinen tollen Bildern vom „Wunder von Bern“ ab da international bekannt wurde. Dann erfuhren wir noch, dass es auch zu Hans Klenk, dem Erfinder des Toilettenpapiers, eine direkte Verbindung gibt. Interessant auch der weitere Hinweis unseres Führers, dass die Gefangenen des Zuchthauses im 2. Weltkrieg mithalfen, dass das Residenzschloss durch das Anbringen von riesigen Tarnnetzen vor Luftangriffen geschützt wurde.

 

 

Die nächsten Ausführungen bezogen sich nun auf die Geschichte des Hauses hier in der Schorndorfer Straße. Das Haus Schorndorfer Straße 38 entstand als Teil des „Tollhauses“ und war damit ein Vorläufer der psychiatrischen Krankenhäuser. 1736 als Zucht- und Arbeitshaus gegründet, diente es als multifunktionale Anstalt zur Aufnahme aller sozialen Randgruppen, von Bettlern bis zu Waisenkindern. Und so lag es nahe, hier auch noch Geisteskranke unterzubringen. Daher die Bezeichnung „Tollhaus“.  Aufgrund von Platzmangel wurden die Insassen dann jedoch in das ehemalige Benediktinerkloster Zwiefalten verlegt. Dass auch wir in das „Tollhaus“ gingen, sollte jetzt nicht zu falschen Schlüssen führen, denn aus dem früheren „Tollhaus“ wurde der Festungsbau. Dieser beherbergt seit September 1988 das Strafvollzugsmuseum, und zwar das erste Museum im deutschsprachigen Raum, das sich ganz dem Thema Strafvollzug widmet.

 

 

In der nächsten Abteilung ging es darum, wie es im Zuchthaus vor 100 Jahren zuging. Wenn ein neuer Sträfling ankam, wurde er zunächst einmal vermessen und gewogen. Wir sehen die alte Waage und die große Messlatte. Die nebenan stehende Figur trägt die originale Sträflingskleidung. Und „Kleidung“ war das Stichwort für die Geschichte vom Ausbruch des Häftlings Walter Dorn. Dessen Fluchtversuch aus der Festung Hohenasperg gilt als besonders spektakulär. So fertigte sich der Häftling aus Teppichen und Stoff vom Bettzeug einen Anzug, der ihn – so verkleidet - als Tourist erscheinen lassen sollte. In einem Schaukasten sind diese Textilien zu sehen. Zur Vorbereitung seines Ausbruchs bohrte Dorn mithilfe einer kleinen Schraube und eines Fenstereisens ein Loch in die Decke seiner Zelle, groß genug, um so auf die Bühne und über das dortige Dachfenster in den Hof zu gelangen. Von dort ist er dann über eine Mauer und einen Holzzaun geklettert und wollte bei passender Gelegenheit die Festung über das Tor verlassen. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da ihn ein Wachtmeister entdeckt hatte, festnahm und in Arrest verbrachte.

 

 

Da die Gefangenen ja nicht miteinander sprechen durften, gab es „Luftpost“. So haben Gefangene Briefe geschrieben, diese zusammengerollt und mit selbstgebastelten Schleudern zum Nachbarn rüber geschossen. In einem Schaukasten können wir solche Kassiberschleudern betrachten. Größere Sachen dagegen wurden gependelt. Dabei wurde der Gegenstand, der geschmuggelt werden sollte, an einer langen Schnur befestigt. Diese hängte der Gefangene aus seinem Zellenfenster und versetzte dann die Schnur in eine immer stärker werdende Pendelbewegung, bis der entsprechende Zellennachbar sie mit einem Griff aus seinem Fenster fassen konnte. Auch dies ist auf einer Schautafel zu sehen.

 

 

Die nächsten Informationen betrafen die Arbeitspflicht von Strafgefangenen. So sind Gefangene verpflichtet, eine ihnen zugewiesene, ihren Fähigkeiten angemessene Arbeit auszuüben, soweit sie dazu körperlich in der Lage sind. In Baden-Württemberg wird diese Arbeitspflicht als zentraler Teil des Resozialisierungskonzepts gesehen. Und damit als Teil des Vollzugs mit Regeln, Ausnahmen und Vergütung.

 

 

Im Zuchthaus Ludwigsburg gab es historische Gefangenenarbeit in verschiedenen handwerklichen und gewerblichen Bereichen.  So erfahren wir etwas über „den Klassiker im Gefängnis“: über das Tütenkleben. Und im Schaukasten sieht man dann auch die Verbindung zur Firma Heinrich Franck & Söhne. Viele unter uns erinnern sich noch daran, dass immer dann, wenn das Wetter drückend war, man die Zichorien-Fabrik im gesamten Stadtviertel roch. Wir erfahren, dass ein geübter Gefangener etwa 5000 - 6000 Tüten am Tag zuschnitt, faltete und klebte. Die Firma Franck hat über Jahrzehnte hinweg hier im Zuchthaus die Papierhülsen der Verpackungen für ihr Produkt herstellen lassen.

 

 

Noch wichtiger damals die Schuhproduktion. Die Schuhmacherei war um 1930 der größte Arbeitsbetrieb in der Landesstrafanstalt Ludwigsburg. Hier produzierten die Gefangenen Stiefel, Schuhe und Pantoffel sowohl für die Strafanstalt selbst, wie auch für andere Gefängnisse, für das Militär und für staatliche Behörden. Aber auch sehr filigrane Werke sind hier im Gefängnis entstanden. So bewundern wir die ausgestellte Truhe mit den eingearbeiteten Motiven von Schloss und Hohenasperg. Bewundernswert auch diese Bastelarbeit: ein Schiff, gebaut aus 25.000 Streichhölzern.

 

 

Doch wer so viel schafft, bekommt auch Hunger. 600 Liter passten in einen Kochtopf. Und entsprechend groß waren auch Schneebesen und Suppenkelle. Ein ausgehängter Speiseplan zeigt uns dann, was es vom 7. Bis 12. März 1932 in der Landesstrafanstalt in Ludwigsburg zum Essen gab. Ein Mittagsschläfchen war jedoch für die Insassen nicht drin, denn das Bett in der Zelle wurde vom Wärter morgens wieder hochgeklappt und an der Wand verriegelt. Der Anblick der vorhandenen historischen Zelle aus dem ehemaligen Schlafzellenbau war dann doch etwas bedrückend und nicht jeder wollte hineintreten, sondern nur einen kurzen Blick hineinwerfen.

 

 

Jetzt ging es für unsere Gruppe einen Stock höher und nun war Herr Alfred Schlatterer unser Führer.  Im Obergeschoss sind vor allem Exponate zum modernen Strafvollzug zu sehen. Hinterlassenschaften der RAF aus der Haft in Stuttgart-Stammheim, verbotene Gegenstände und auch etliche kuriose Objekte. Doch zunächst macht uns Herr Schlatterer auf die in den Vitrinen ausgestellten Figuren und Gegenstände, den großen Gartengrill, den frisch bezogenen Sessel, aber auch auf die an der Wand aufgehängten bunten, handgefertigten Jailers-Taschen aufmerksam. Und wir erfahren, dass all dies von Häftlingen hergestellt wurde. So bekommen wir einen Eindruck, was in der JVA Heilbronn unter dem Begriff „Vollzugliches Arbeitswesen“ (VAW) zu verstehen ist. Die Beschäftigung von Gefangenen in der Arbeitstherapie dient laut der VAW der Resozialisierung und dem Ziel, den Gefangenen Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln bzw. sie zu erhalten oder zu fördern. Einen Überblick über das VAW gibt die große Schautafel. Wir erfahren in diesem Zusammenhang, dass Herr Schlatterer in seiner Funktion als Lehrer etliche Einsitzende in der JVA zum Hauptschulabschluss gebracht hatte. Und er gab uns noch einen weiteren kurzen Einblick in seine dortige Tätigkeit.

 

 

Danach ging es in den hintersten Raum, wo es schwerpunktmäßig um das Thema RAF geht. Die RAF, die Rote-Armee-Fraktion, war eine linksextremistische Terrorgruppe in der Bundesrepublik Deutschland, die 1970 aus dem Umfeld der 68er-Bewegung entstand und sich 1998 selbst auflöste. Um die RAF gibt es Mythen und Behauptungen, aber auch Fakten. Ihre Geschichte ist vor allem durch Anschläge, Morde, Entführungen und den sogenannten Deutschen Herbst 1977 geprägt.

 

 

Im Flur zum hintersten Raum kamen wir an mehreren Schaukästen vorbei und können etliche kuriose Exponate betrachten, wie z.B. Arbeiten, die der Häftling Jan-Carl Raspe heimlich gefertigt hat. So sehen wir einen kleinen Pizzaofen auf Keksdosenbasis, den er in einem Buchumschlag versteckt hatte. Und keiner von uns hätte je geglaubt, dass man aus Filzschreibern einen Tauchsieder fertigen kann, oder eine Alkohol-Destille mit Hilfe eines Schlauches, der für die künstliche Ernährung der Gefangenen vorgesehen war, die damals in den Hungerstreik getreten waren. Die Maische bestand aus angesetztem Obst, und als Gefäße dienten Kaffeegläser. Apropos Kaffee: In der Zelle von Andreas Bader fand man im Hohlraum einer Kaffeekanne versteckt eine Lampe mit Kabel. Auch dieses kuriose Exponat ist zu sehen, wie auch eine selbstgebastelte Kochplatte, die man in der Zelle von Raspe gefunden hatte. Zu beachten ist allerdings, dass diese Häftlinge sich noch in der Untersuchungshaft befanden und daher andere Regelungen galten wie für verurteilte Insassen. Zwar endete der Prozess für Bader, Ensslin und Raspe am 28. April 1977 mit lebenslangen Freiheitsstrafen. Rechtskräftig wurde das Urteil aber nicht mehr, weil die Verurteilten im Oktober 1977 starben, bevor die Revision abgeschlossen war.

 

 

Im hintersten Raum angekommen, umriss Herr Schlatterer kurz die damaligen, wie er sagte, „unruhigen Zeiten“ von 1968 bis 1976. So spielten in den USA Bürgerrechte und der Vietnamkrieg eine große Rolle, in Frankreich der Studenten- und Arbeiterprotest, in der ČSSR der „Prager Frühling“, in Mexiko politische Repression und in Deutschland die Auseinandersetzung mit dem Establishment.  Und auch in unserem Land lagen die Schwerpunkte damals vor allem auf Protest, Reform und Politisierung. Das Jahr 1968 wurde dadurch zu einem Symbol für Aufbruch, Konflikt und gesellschaftlichen Umbruch. Nach 1968 wurden Autoritäten deutlich stärker infrage gestellt. Parallel dazu reagierte der Staat mit einer stärkeren rechtlichen Absicherung für Krisenfälle, etwa durch die Notstandsgesetze von 1968.

 

 

Nach diesem interessanten Rückblick auf die damaligen Zeiten ging es nun mit kurzen aber prägnanten Informationen weiter zum Hauptthema RAF. Dazu wurden unsere Blicke auf die am Fußboden liegenden gelben „Papierschlangen“ gelenkt, die alle mit einem Monatsnamen versehen waren. Und vor dem jeweiligen Monat lagen weiße Hinweiszettel. Auf diesen waren mit genauer Datumsangabe die jeweiligen Geschehnisse aufgedruckt, so z.B. die Entführung von Hanns Martin Schleyer, die Entführung und spätere Erstürmung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ oder die damaligen Suizide von Baader, Ensslin und Raspe. Herr Schlatterer gab zu jedem der aufliegenden Zettel noch kurze Erklärungen ab.

 

 

Dabei kam er auch noch auf Brigitte Mohnhaupt zu sprechen, die als führendes Mitglied der sogenannten zweiten RAF-Generation galt. Und wir erfahren, dass die von uns vorhin im Flur gesehene Trageliege damals benutzt wurde, um Brigitte Mohnhaupt in das Krankenhaus zu transportieren. Sie hatte sich ja während der Haft bei einem Suizidversuch mit Messerstichen schwer verletzt. All dies führte nochmal vor Augen, welche Gewalt und Eskalation von dieser Gruppe insbesondere in den 1970er-Jahren ausgeübt wurde. Von der ersten RAF-Generation nahmen sich drei führende Mitglieder das Leben: Ulrike Meinhof am 9. Mai 1976, Andreas Baader am 18. Oktober 1977 und Gudrun Ensslin ebenfalls am 18. Oktober 1977. Und auch Jan Carl Raspe starb in der Nacht am 18. Oktober 1977.

 

 

Als Todesursache wurde Suizid durch Erschießen angegeben. Offiziell untersuchten Kriminalpolizei und Gerichtsmediziner den Todesfall mit internationaler Beteiligung. Die Drei wurden am 27.10.1977 auf dem Stuttgarter Dornhaldenfriedhof in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Aber auch in den 1980er- und 1990er Jahren blieb die RAF noch aktiv, bevor sie sich im April 1998 selbst auflöste. Damit endete nach fast 28 Jahren eines der dunkelsten Kapitel der westdeutschen Nachkriegsgeschichte.

 

Wir bekamen dann noch den Hinweis, uns im Flur noch das Bild von Raspes Zelle anzuschauen. Das Chaos in der Zelle war bewusst gewollt, denn damit war es dem Wachpersonal nicht mehr möglich, den Überblick über all die Gegenstände zu behalten, die sich in der Zelle befanden. Und wir erfahren, dass hinter der Bodenleiste eine Pistole versteckt war. Bader hatte für seine Pistole seinen Plattenspieler als Versteck gewählt.

  

 

Und damit ging unsere Führung nach ca. 2 Stunden zu Ende. Wir bedankten uns mit einem kräftigen Applaus bei den beiden Führern, die uns so viele interessante und manchmal auch sehr berührende Informationen vermittelt hatten. Bedanken will ich mich aber auch bei der Kollegin Anne Tschürtz für ihre tolle Idee und die reibungslose Durchführung dieser ASP-Veranstaltung. Ich bin sicher, in vielen Köpfen von uns schwirrten die Gedanken noch eine ganz Weile weiter. Das war auch in den Gesprächen zu hören, die wir teilweise nach Verlassen des Museums noch führten, bevor wir uns wieder voneinander verabschiedeten. Und Eines haben wir wohl alle verspürt: Wenn du als Rentner in den Knast gehst, dann nur reingehen, staunen, wieder raus – und nie bleiben! Was jedoch bleibt, ist auch diesmal die Erkenntnis: Mit unserm ASP isch’s halt immer wieder schee!“

 

Horst Neidhart

 

Fotos: Petra Benub und Horst Neidhart

Gestaltung und Bildbearbeitung ohne KI: Rolf Omasreither  

 

Besichtigung Heizkraftwerk Münster am 23. April 2026

 

„Bin für jeden Dreck zu haben!“

So ist in manchen Städten auf den dort aufgestellten öffentlichen Abfallbehältern zu lesen. Dieser Spruch hätte auch für unseren Besuch im Heizkraftwerk der EnBW in Stuttgart-Münster gepasst. Doch die EnBW hat sich auf ihren Flyern für einen anderen Spruch entschieden: „Ein schlauer Weg zur Wärme“. Und um diesen schlauen Weg kennenzulernen, trafen sich am 23. April 2026 frühmorgens um 7:45 Uhr 19 ehemalige Kolleginnen und Kollegen am Bahnhofsvorplatz in Ludwigsburg, wo die Organisatorin dieses ASP-Events, die Kollegin Herta-Maria Stahl, bereits auf uns wartete und uns alle herzlich begrüßte. Wir alle freuten uns über das Wiedersehen und waren schon gespannt, was uns am heutigen Tag erwarten würde. Für bestes Wetter war jedenfalls schon mal gesorgt.

 

Eine weitere Gruppe mit 19 Teilnehmenden wurde um 10.15 Uhr von der Kollegin Sonja Ehnle, der zweiten Organisatorin dieser Veranstaltung, erwartet und ebenfalls herzlich begrüßt. Die Aufteilung in 2 Gruppen war erforderlich, da für eine Führung im Heizkraftwerk die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt ist. Als Teilnehmer der ersten Gruppe berichte ich daher aus dieser Sicht. Nachdem das vorgesehene Programm jedoch für beide Gruppen identisch war, dürften auch die Erlebnisse für alle Teilnehmenden weitgehend gleich sein.

 

Also lassen Sie uns auf den „schlauen Weg zur Wärme“ starten. Zunächst noch ganz bequem mit der S-Bahn bis Nordbahnhof und danach mit der U12 und der U14 bis zur Haltestelle Mühlsteg. Von dort waren es dann noch ca. 400 Meter Fußweg bis zum Heizkraftwerk Münster. Und so dauerte es auch nicht lange, bis wir vor dem großen Gebäudekomplex standen und die weißen Rauchfahnen sahen, die aus den hohen Schornsteinen in den blauen Himmel stiegen.

 

Nach einer kurzen Wartezeit begann dann unsere Führung unter der Leitung unseres Guides, Herrn Dr. Christian Elsässer. Als wir in einem Gesprächsraum Platz genommen hatten, wurden wir zunächst auf diverse Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen, die wir jedoch schon bei unserer Anmeldung zur Kenntnis genommen hatten. Dann erhielten wir im Rahmen einer Folien-Präsentation eine Einführung in den Betrieb der EnBW sowie einen Überblick über die Gebäude auf dem Gelände und deren Funktionen.

 

Wer sind wir“ und „was machen wir eigentlich?“, mit diesen beiden Fragen und den späteren Antworten dazu begann Herr Dr. Elsässer nun seine Präsentation. Demnach ist das Heizkraftwerk Stuttgart‑Münster ein modernes Müllheizkraftwerk, das im Rahmen der Kraft‑Wärme‑Kopplung sowohl Strom als auch Fernwärme für Stuttgart und Umgebung erzeugt und von der EnBW betrieben wird. Dabei versteht die EnBW das Heizkraftwerk Stuttgart‑Münster als Teil ihres gesamten Kraftwerkparks: einen Standort mit thermischer Müllbehandlung und einem neuen, wasserstofffähigen Gaskraftwerk, das die regionale Energieversorgung sicherstellt. Zum Verbund gehören außerdem die Heizkraftwerke Stuttgart‑Gaisburg und Altbach/Deizisau, die gemeinsam mit Münster rund 28.500 Haushalte, 1.400 Firmen und 380 öffentliche Gebäude mit Fernwärme beliefern.

 

Der Schwerpunkt liegt demnach darauf, Restmüll aus Haushalten und Unternehmen zu verwerten, statt ihn nur zu lagern. Die zweite Aufgabe besteht darin, Strom und Fernwärme zu erzeugen. Das Heizkraftwerk produziert hier Strom und Fernwärme nach dem Prinzip der Kraft‑Wärme‑Kopplung – das heißt, die entstehende Wärme wird gleichzeitig für beides genutzt und spart damit Energie ein. Und der dritte Schwerpunkt liegt darin, das Kraftwerk auf ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk umzubauen, um damit zukünftig teilweise oder später ganz mit Wasserstoff zu arbeiten und somit den CO‑Ausstoß deutlich zu senken.

 

Das Kraftwerk ist damit ein wichtiger Teil der Energiewende in Stuttgart. Es hilft, die Stadt kohlefrei zu machen, liefert aber gleichzeitig zuverlässig Strom und Wärme, auch wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Wobei es dem Referenten wichtig war, auf das Alleinstellungsmerkmal der EnBW hinzuweisen, indem sie eben nicht nur Strom verkauft, sondern die komplette Infrastruktur von der Erzeugung über das Netz bis zum Endkunden selbst steuert. Wobei vielen unter uns nicht bekannt war, dass die EnBW aktuell in mehreren europäischen Ländern aktiv ist, vor allem in den Kernmärkten: Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Schweden, der Schweiz, der Tschechischen Republik und der Türkei.

 

Es folgte dann ein kurzer Überblick über die strategischen Geschäftsfelder der EnBW: Erneuerbare und flexibel einsetzbare Energieerzeugung, Ausbau und Digitalisierung von Strom‑, Gas‑ und Wasserstoffnetzen sowie moderner Vertrieb, Energiemanagement und Elektromobilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wobei das Ziel die Versorgungssicherheit ist.

 

 

Anschließend erhielten wir einige Informationen zum Thema Pumpspeicherkraftwerk: Dieses dient als riesige „Wasser‑Batterie“ für das Stromnetz: Es speichert überschüssigen Strom (z.B. von Wind und Sonne) und gibt ihn später wieder ab, wenn die Nachfrage hoch ist oder wenig Wind/Sonne da ist. Wenn also zu viel Strom im Netz ist, wird der Überschuss genutzt, um Wasser in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Dabei wird die elektrische Energie aus dem Netz in Lageenergie des Wassers umgewandelt. Wird wieder mehr Energie benötigt, kann das abfließende Wasser dann kurzfristig wieder viel Strom ins Netz einspeisen, indem es eine Turbine antreibt und über einen Generator wieder Strom erzeugt. Damit ist es möglich, Schwankungen auszugleichen und so das Netz zu stabilisieren. Also quasi für Strom „auf Knopfdruck“.

 

 

Bei den nächsten Ausführungen war dann der Stolz des Referenten richtig zu spüren und herauszuhören. Demnach hat sich EnBW das Ziel gesetzt, bis 2035 bzw. 2040 Netto‑Null‑Emissionen bei Strom und Wärme zu erreichen Und es folgt für uns wieder ein Begriff, den wir bisher nicht kannten: „Fuel Switch“. „Fuel Switch“ bedeutet im Kontext des Heizkraftwerks Stuttgart‑Münster: einen geplanten Brennstoff‑Wechsel in zwei Schritten, um vom klimaschädlichen Kohlebetrieb zu einem klimafreundlicheren und später sogar wasserstoffbasierten Betrieb zu kommen. Der Begriff bedeutet wörtlich „Brennstoff‑Wechsel“ (von englisch fuel = Brennstoff). Beim Projekt in Stuttgart‑Münster spricht die EnBW sogar von einem „doppelten Fuel Switch“: vom alten Kohleblock hin zu einem neuen, wasserstofffähigen Gaskraftwerk – in zwei klaren Schritten weg von Kohle und hin zu klimafreundlichem Gas und dann Wasserstoff. Der Fuel Switch ist der „sanfte“ Ausstieg: Er nutzt die bestehende Infrastruktur indem die Kohlekraftwerke nicht einfach abgeschaltet, sondern in wasserstofffähige Gaskraftwerke umgebaut werden, die erst mit Erdgas und später mit Wasserstoff laufen. Kurz gesagt: der Fuel Switch ist für die EnBW die strategische Säule, die Kohleausstieg, Versorgungssicherheit und Klimaneutralität zusammenbringt – nicht nur in Stuttgart‑Münster, sondern an mehreren Schlüsselstandorten in Baden‑Württemberg. Die EnBW investiert an den Standorten Heilbronn, Altbach/Deizisau und Stuttgart‑Münster insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro in Fuel‑Switch‑Projekte mit gemeinsam etwa 1,5 Gigawatt installierter Leistung.

 

Und erneut wurde unsere Aufmerksamkeit gefordert, als der Begriff „Flow – making hydrogen happen“ auftauchte. Wie wir erfahren, ist die EnBW ein zentraler Partner dieses Projektes und sieht darin einen zentralen Baustein ihrer Wasserstoff-Strategie, mit der sie die Industrie und auch die eigenen Gaskraftwerke mit grünem Wasserstoff versorgen will. In einem ersten Schritt sind dazu vor allem bestehende Erdgasleitungen zu einem leistungsstarken Wasserstoff-Kernnetz umgerüstet worden und bilden eine rund 400 Kilometer lange Nord-Süd-Achse vom Ostseeraum bis nach Sachsen-Anhalt. Im nächsten Schritt soll dann durch die Nutzung und Umstellung bestehender Gasfernleitungen eine Nord-Süd-Wasserstoff-Transportachse von der Ostsee bis in den Südwesten Deutschlands und in angrenzende Länder geschaffen werden. 

 

 

Für das Heizkraftwerk Münster gibt es dabei allerdings mehrere technische Herausforderungen wie Material‑ und Dichtigkeitsfragen, die Anpassung des Druck‑ und Netzkonzepts sowie die sichere Integration von Wasserstoff in bestehende Kraftwerks‑ und Leitungsanlagen. Das Ganze ist also nicht nur ein einfacher Brennstoff‑Wechsel, sondern eine umfassende technische Neuausrichtung.

 

 

Auf einer der nächsten Folien sehen wir dann die Abbildung einer Siemens SGT-800 Industriegasturbine. Davon sind im Heizkraftwerk zwei eingesetzt, die als Kern des neuen gasbasierten Heizkraftwerks die früheren Kohlekessel ersetzen und für den späteren Übergang zum Wasserstoffbetrieb ausgelegt sind. Es folgten noch weitere Erklärungen zur Funktion eines wasserstofffähigen Gaskraftwerkes mit speziellen Brennern, Leitungen, Materialien und Steuerung, damit das Gaskraftwerk zunächst mit Erdgas und später dann mit Wasserstoff regelbar Strom und Wärme liefert.

 

 

Auch wenn wir schon ziemlich „vollgepumpt“ mit all den technischen Begriffen waren, interessierten uns auch noch die folgenden Informationen zur Großwärmepumpe hier im Heizkraftwerk. Kurz gesagt: Die Großwärmepumpe nimmt bereits vorhandene Abwärme auf, erhöht ihre Temperatur mit Strom und speist so zusätzliche klimafreundliche Fernwärme in das Stuttgarter Netz ein. Sie hat eine thermische Spitzenleistung von bis zu 24 Megawatt und liefert damit klimaneutrale Fernwärme für rund 10.000 Haushalte in Stuttgart. Ein wichtiger Schritt hin zu einer klimaneutraleren Wärmeversorgung. Parallel zum Fuel‑Switch‑Gaskraftwerk (Siemens SGT‑800) und der Abschaltung der Kohlekessel wird die Großwärmepumpe als zusätzlicher Baustein der Dekarbonisierung (also der Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Umstellung auf erneuerbaren Energien) mitgenutzt. Das Ziel ist langfristig, Teilbereiche oder die gesamte Wirtschaft nahezu CO‑frei zu betreiben, also eine „postfossile“, kohlenstoffarme Wirtschaft aufzubauen. Die aufgelegte Folie zeigte uns dann, dass die 2 MW Großwärmepumpe im Prinzip wie eine Haushaltwärmepumpe funktioniert, nur halt in industriellem Maßstab und mit sehr hohen Temperaturen für das Fernwärmenetz.

 

 

Der nächste Schwerpunkt galt dem Thema Müll, ganz nach der Devise: „Ich wär‘ so gerne Müllionär!“. Und so erfuhren wir, dass die EnBW neben dem Müllheizkraftwerk hier in Münster noch zwei weitere Müllverbrennungsanlagen betreibt: eine in Mannheim mit 700 Tausend Tonnen Müll im Jahr und eine weitere in Freiburg mit 300 Tausend Tonnen pro Jahr. Hier in Münster werden pro Jahr 500 Tausend Tonnen Müll angeliefert. Das gesamte Müllaufkommen zur Verbrennung beträgt also 1,5 Mio. Tonnen.

Hier im Heizkraftwerk landen in der Müllannahme überwiegend Restmüll (Hausmüll) aus Stuttgart sowie den umliegenden Landkreisen wie Esslingen, Rems-Murr, Reutlingen, Tübingen, Heilbronn, Konstanz, Zollernalb und Bodenseekreis. Aber auch Sperrmüll wird mit angeliefert.

 

Interessant auch die weiteren Ausführungen zu diesem Thema. So müssen die Müllcontainer bei ihrer Ankunft zunächst auf einer Waage stehen bleiben, ebenso nach der Leerung. Aus der Differenz des festgestellten Gewichtes werden dann die Kosten für die Anlieferung berechnet. Doch was passiert dann, nachdem der Müllcontainer seine Ladung abgekippt hat? Nachdem der Müllcontainer seinen Restmüll in der Entladehalle abgekippt hat, folgt ein standardisierter Verarbeitungsprozess.

 

Nun kommen die Rotorscheren zum Einsatz, die den Müll zerkleinern, bevor ihn anschließend Förderbänder weiter zu dem Müllbunker transportieren, wo Brückenkräne mit großen Greifern (die wir später noch sehen) den Abfall mischen und homogenisieren, um ein geeignetes Brandverhalten zu gewährleisten. Wobei gefährliche oder nicht geeignete Stoffe vorher aussortiert und über andere Wege entsorgt werden. Der angelieferte Restmüll im Heizkraftwerk Stuttgart-Münster hat oft einen hohen Feuchtigkeitsgehalt (bis zu 50%), weshalb er in der ersten Zone des Kesselrosts durch die Wärme des Kessels (bei über 100 °C) getrocknet werden muss. Im Kessel wird der Müll dann bei ca. 1000 °C verbrannt, erzeugt dabei Dampf (510 °C/60 bar), der die Dampfturbinen antreibt – für Strom und Fernwärme in KWK-Modus.

 

KWK‑Modus bedeutet, dass ein und dieselbe Brennstoffmenge genutzt wird, um gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen, statt nur Strom oder nur Wärme zu produzieren. Die im Kraftwerk entstehende Abwärme wird also nicht „weggeworfen“, sondern über Abhitzekessel, Dampf‑ oder Fernwärmenetz zur Beheizung von Gebäuden und Industrie‑Prozessen genutzt. Die bei der Verbrennung entstehenden Abgase passieren nun die Rauchgaswaschanlagen, um Schadstoffe zu entfernen.

 

Dann erfuhren wir noch, dass die Müllkessel immer wieder erneuert werden müssen, da sie durch die aggressive Natur des Restmülls stark korrodieren und verschleißen. Müll enthält Feuchtigkeit, Salze, Chlorverbindungen und andere korrosive Stoffe, die die Metallwände angreifen.

 

Alle von uns kennen ja Autowaschanlagen. Aber als der Begriff „Rauchgaswaschanlage“ fällt, spitzten wir erneut die Ohren. Nach der Verbrennung durchlaufen die Rauchgase eine mehrstufige, nasschemische Reinigung in drei Rauchgaswaschanlagen (RWA), um Schadstoffe wie HCl, HF, SO, Staub, Dioxine und Schwermetalle zu entfernen. So erfolgt zunächst die Entstaubung, danach die nasschemische Waschung und letztlich der Ausstoß des gereinigten Gases über den Schornstein. Dieser Prozess gewährleistet hohe Umweltsicherheit bei der Verbrennung von 450.000 Tonnen Restmüll jährlich.

 

Aus der Gruppe kam dann die Frage, was mit der übrig gebliebenen Schlacke passiert, denn aus 100 Prozent Müll bleiben etwa 20 Prozent Schlacke übrig. Und wir erfahren, dass diese nach Kochendorf ins dortige Salzbergwerk kommt. Dort dient sie als Versatzmaterial, um ausgeschwemmte Hohlräume oder Kammern unter Tage zu befüllen.

 

Nach so vielen interessanten Informationen war es nun an der Zeit, den Rundgang durch das Kraftwerk zu beginnen. Dabei bekamen wir dann in dem Müllbunker den großen Greiferkran ebenso zu sehen wie die Rotorscheren. Wobei der Kranführer den Greifer mit dem gerade eingesammelten Müll extra auf uns zu schwenkte, damit wir besser erkennen konnten, welchen Müll er gerade eingesammelt hatte. Ein kräftiger Applaus war unser Dank dafür.

 

Der Weg führte uns über Gitterroste zu den Müllkesseln mit dem Blick auf den Rost- und den Verbrennungsbereich, wobei wir über ein Schauinspektionsfenster in den Verbrennungsraum hineinschauen konnten und die Flammen darin lodern sahen. An den Kesselwänden, den Dampfleitungen und den Dampfturbinen ging es dann weiter. Und wir konnten noch einen kurzen Blick auf die Fernwärme-Verteilstation und die Umwälzpumpen werfen. Insgesamt führte uns der Weg also von der Anlieferung des Mülls über Bunker, Verbrennung, Dampf- und Stromerzeugung bis hin zum Fernwärmenetz und der Umwelttechnik. Oder anders ausgedrückt, wie es die EnBW auf ihrem Flyer nennt: „Der schlaue Weg zur Wärme“.

 

 

Und damit auch alles immer auf dem richtigen Weg ist, wird das gesamte Betriebsgeschehen vom Leitstand aus rund um die Uhr zentral gesteuert und überwacht. Dazu nutzt das Personal große Monitore, um die verschiedenen technischen Abläufe – von der Müllverbrennung bis zur Energieeinspeisung – in Echtzeit zu verfolgen und bei Bedarf einzugreifen. Da das Kraftwerk eine zentrale Rolle bei der Restmüllentsorgung in Baden-Württemberg sowie bei der Fernwärmeversorgung von rund 28.500 Haushalten und zahlreichen Unternehmen einnimmt, ist der Leitstand rund um die Uhr für den sicheren Betrieb verantwortlich.

 

 

Damit waren wir am Ende unseres Rundgangs angekommen. Herta Stahl bedankte sich herzlich bei unserem kompetenten Führer, Herrn Dr. Elsässer, für diese sehr interessante und aufschlussreiche Führung, und wir unterstrichen dies durch einen kräftigen Applaus.

 

Viele Informationen schwirrten noch in unseren Köpfen herum, als wir anschließend das Gelände des Heizkraftwerkes verließen und mit der U-14 zum Max-Eyth-See fuhren. Denn nachdem wir so viel über „Energieeinspeisung“ gehört hatten, war der Zeitpunkt gekommen, wo auch uns eine „Energieeinspeisung“ guttun würde. Am Max-Eyth-See angekommen, ging es daher schnurstracks zum Restaurant „Haus am See“, wo wir die Kolleginnen und Kollegen der anderen Gruppe trafen, die sich jetzt auf den Weg zu ihrer um 14:00 Uhr beginnenden Führung im Kraftwerk machten. Dort wurden sie von ihrer Führerin, Frau Brigitte Durst, erwartet. Auch die Teilnehmenden dieser Gruppe waren sich nach dem Ende der Veranstaltung einig, dass sie eine sehr interessante und beeindruckende Führung erlebt hatten. Und auch der vor dem Mittagessen erfolgte Spaziergang entlang des Max-Eyth-Sees bei Sonnenschein und blauem Himmel hat allen gut gefallen.

 

Noch ein kurzes Wort zum „Haus am See“: Alle Teilnehmenden fanden, dass die Entscheidung für dieses Restaurant eine sehr gute Wahl war, denn egal für welches der Angebote auf der Speisekarte wir uns entschieden hatten, allen hatte es bestens geschmeckt.

 

Es sei noch erwähnt, dass die Kollegin Herta-Maria Stahl die Idee für diese tolle Veranstaltung hatte, und die Kollegin Sonja Ehnle dann die Organisation übernahm. Beiden gehört dafür sowie für die reibungslose Durchführung ein dickes Lob. Wir sagen beiden Kolleginnen und auch dem ASP sowie unserer Kreissparkasse herzlich Danke! Und wie immer heißt es daher: „Mit unserm ASP isch’s oifach immer schee!“

 

Horst Neidhart

 

Fotos: Sonja Ehnle, Margot Herzog, Horst Neidhart und Rolf Omasreither

Gestaltung: Rolf Omasreither  

 

Große Beteiligung, großes Interesse, große Freude und großer Dank…

 

…so lässt sich die Atmosphäre beim 17. ASP-Infomarkt zusammenfassend beschreiben. Denn die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen waren schon sehr gespannt, welche interessanten Informationen sie bei dieser Veranstaltung am 18. März 2026 erfahren würden. Und schon lange vor dem offiziellen Beginn trafen die meisten von ihnen im Louis-Bührer-Saal ein. Da gab es sehr oft zu hören: „Oh, das ist aber schön, Dich/Sie mal wiederzusehen!“ Und die Wiedersehensfreude spiegelte sich auch in den Gesichtern deutlich wider. Rasch waren die Plätze an den schön gedeckten Tischen besetzt und die Unterhaltung ging dort munter weiter.

 

Doch dann betrat unser Vorstandsvorsitzender, Herr Dr. Heinz-Werner Schulte, die Bühne und ihm gehörte nun die Aufmerksamkeit aller. Er begrüßte alle Anwesenden sehr herzlich. Dabei betonte er seine Freude über die hohe Zahl von 180 Pensionärinnen und Pensionären, die seiner Einladung gefolgt waren, schob aber schmunzelnd hinterher, dass hier im Saal die Kapazität für 280 Gäste reichen würde.

 

 

Mit den Worten „Willkommen zu Hause!“ begrüßte Herr Dr. Schulte anschließend Herrn Marco Beckbissinger, unser 4. Vorstandsmitglied seit 1. Oktober 2025. Die weitere herzliche Begrüßung galt anschließend dem ehemaligen Vorstandsmitglied, Herrn Dieter Wizemann, der gerne den Weg von Korb nach Ludwigsburg auf sich genommen hatte, um heute ebenfalls an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Beide wurden mit einem kräftigen Applaus bedacht. 

 

 

Als nächstes galt unser herzlicher Beifall dem anwesenden „Geburtstagskind“ und Mitglied des ASP-Kernteams, der Kollegin Herta Stahl. Auch sie hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz ihres Festtages heute hier dabei zu sein. Und vermutlich hatte sie auch noch nie so viele Gratulanten zu Kaffee und Kuchen wie an diesem Nachmittag. Wir alle wünschten ihr von Herzen alles Gute für ihr neues Lebensjahr.

 

 

Danach bedankte sich Herr Dr. Schulte bei Herrn Helmut Rath, dem Leiter unseres ASP-Teams, für dessen Einsatz und für die Vorbereitung der heutigen Veranstaltung. Auch ihm galt ein langer und herzlicher Applaus.

 

Nun lenkte Herr Dr. Schulte unseren Blick auf die derzeitige weltpolitische und wirtschaftliche Situation und ihren ökologischen Auswirkungen, denen sich ja auch unsere Kreissparkasse nicht entziehen kann. Und auch der Blick auf unseren Landkreis selbst macht deutlich, dass sich die Kommunen zur Zeit sehr schwer tun und die Schieflage ihrer Finanzen natürlich schnell zu der Frage führt, was kann die Kreissparkasse Ludwigsburg für die Kommunen tun. Hier verweist Herr Dr. Schulte auf das große Volumen unserer Spenden und Stiftungen, aber auch auf unsere Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Es folgt ein kurzer Schwenk zu den Vorgängen bei der Sparkasse Gelsenkirchen und dem dortigen Einbruch der Bankschließfächer. Wir werden in diesem Zusammen-hang über die Sicherungsmaßnahmen unserer Schließfach-Anlagen informiert.

 

Als nächstes greift Herr Dr. Schulte das Thema „Digitaler Euro“ auf. Der digitale Euro ist nicht dazu gedacht, das Bargeld abzuschaffen, sondern mit dem digitalen Euro möchte die EU eine Ergänzung zum Bargeld einführen. Doch noch gibt es dazu - insbesondere für Banken und Unternehmen - viele offene Fragen und viele Herausforderungen, die bis zur geschätzten Einführung im Jahre 2028/29 zu klären und zu bewältigen sind.

 

Nun geht der Blick wieder zurück zu unserer Sparkasse und ihrer Entwicklung im Jahre 2025. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen stieg die Bilanzsumme auf 13,3 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 408 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Kundeneinlagen wuchsen auf 9,5 Milliarden Euro, das Kreditvolumen auf 7,4 Milliarden Euro. Mit 18,1 Millionen Euro blieb der Jahresüberschuss nahezu konstant. Ein klarer Beweis dafür, dass Stabilität auch in unsicheren Zeiten möglich ist. Und der Stolz ist herauszuhören, als wir informiert werden, dass 119 Millionen Euro dem Eigenkapital zugeführt werden können, was einem Rekordergebnis entspricht. Etwas kritisch dagegen der Blick auf die Höhe der Sachaufwendungen für das laufende Jahr, überwiegend bedingt durch die vielen derzeit erforderlichen Baumaßnahmen.

 

Bevor Herr Dr. Schulte seine Ausführungen beendete, gab er uns noch einige Hinweise zur KI, zur Künstlichen Intelligenz. So nutzen wir diese ja bereits beim Thema Fotoüberweisungen. An weiteren Einsatzmöglichkeiten, wie z.B. der Bilanzanalyse, wird gearbeitet. So könnte die KI künftig quasi wie ein zusätzlicher Assistent wirken und uns qualitativ und quantitativ helfen, uns noch weiter zu verbessern. Dazu werden alle Mitarbeiter entsprechend geschult. Mit einem langen und kräftigen Applaus bedankten wir uns bei Herrn Dr. Schulte für die vielen, sehr interessanten Informationen, die er uns in einer sehr aufgelockerten und teils humorvollen Form dargebracht hat.

 

Nun betrat unser Kollege Helmut Rath die Bühne und begrüßte uns ebenfalls sehr herzlich. Sein Dank galt zunächst Herrn Dr. Schulte für die Einladung und Ausrichtung dieses Info-Marktes. Im vergangenen Jahr haben 534 Personen an den Veranstaltungen des ASP-Teams teilgenommen, was für das hohe Interesse spricht. Helmut Rath freut sich nicht nur über diese hohe Teilnehmerquote, sondern betont hier auch das Alleinstellungsmerkmal der Kreissparkasse Ludwigsburg bezüglich dieses Angebots der ASP für alle ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie er weiter darlegt, würde dieses hohe Interesse das ASP-Team nicht nur sehr freuen, sondern vor allem die Mitglieder des Teams auch sehr anspornen, sich immer wieder neue Gedanken über mögliche weitere Veranstaltungen zu machen und diese entsprechend zu organisieren. Dass auch unser Vorstand am Wirken der ASP interessiert ist, zeigt sich unter anderem auch daran, dass dem ASP-Team für die Durchführung der Veranstaltungen immer wieder ein entsprechender finanzieller Beitrag zufließt, wofür sich Herr Rath herzlich bedankt, und wir dies mit einem kräftigen Applaus unterstützen.

 

In seinen weiteren Ausführungen kommt Helmut Rath darauf zu sprechen, dass in der Vergangenheit stets sehr viele Anmeldungen zu den einzelnen Events erfolgten, aber leider auch immer wieder häufige Abmeldungen. Daher erfolgte diesmal schon bei der Einladung der Hinweis und die Bitte, den Terminkalender mitzubringen, um zu prüfen, ob die eigene Terminplanung eine Anmeldung zulässt.

 

Wie in den letzten Info-Märkten auch, gab es für jede der einzelnen Veranstaltungen wieder Informationstische, wo Fragen gestellt werden konnten, aber auch sofortige Anmeldungen möglich waren. Herr Rath spricht nochmals die eindringliche Bitte aus, falls es doch später nach erfolgter Anmeldung zu einer Stornierung kommen sollte, dies bitte den Organisatoren der jeweiligen Veranstaltung frühzeitig mitzuteilen. Das ermöglicht dem Team, noch einzelne „Nachrücker“ zu berücksichtigen. Denn im vergangenen Jahr waren alle (!) Veranstaltungen ausgebucht und es gab jeweils entsprechende Listen mit den Namen der Kolleginnen und Kollegen, deren Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden konnten und denen sich nun doch noch die Möglichkeit einer Teilnahme bot.

 

In diesem Zusammenhang weist Herr Rath auch darauf hin, dass es inzwischen üblich ist, dass Restaurationsbetriebe eine Abstandszahlung verlangen, wenn die Anzahl der tatsächlich erschienenen Gäste nicht mit der angemeldeten Zahl der Reservierung übereinstimmt. Diese Kosten müssen dann vom ASP-Team dem absagenden Teilnehmer belastet werden, sofern nicht rechtzeitig ein Nachrücker an dessen Stelle tritt.

 

Wir bekommen noch den Hinweis, dass am folgenden Tag der heutigen Veranstaltung auf der Homepage der ASP weitere Informationen und entsprechende Anmeldeformulare zu finden sind.

 

Auch diesmal gibt es zusätzlich noch weitere Informationstische vom Digitalen Vertrieb, vom Mitarbeiter-Betreuungs-Center und vom Generationen-Management. Bezüglich Informationen weist Herr Rath anschließend noch einmal auf die Homepage der ASP hin, die Rolf Omasreither stets so trefflich gestaltet. Hier auf dieser Homepage werden die durchgeführten Veranstaltungen noch einmal mit Fotos und Textbeiträgen aufgeführt. Die Beiträge für unser KONTAKT werden von Petra Benub verfasst, und die buchhalterischen Aufgaben von Dieter Volz erledigt. Ihnen allen gebührt der Dank von Helmut Rath und ein kräftiger Applaus von uns. Ein weiterer herzlicher Dank gilt darüber hinaus dem gesamten ASP-Team für sein erfolgreiches Wirken. Und auch bei Regine Jung, die inzwischen auf eigenen Wunsch aus dem Kernteam ausgeschieden ist, bedankt sich Herr Rath noch einmal herzlich. Ein herzliches Willkommen gilt im Anschluss daran den drei neuen Mitgliedern im Kernteam: Petra Großmann, Beate Mauermann und Roland Schütt. Und natürlich noch ein ganz besonderes Dankeschön an alle, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf des Nachmittages sorgten. Mit seinem bekannten schwäbischen Schlusssatz „I han gnuag gschwätzt“ beendete Helmut Rath seinen Beitrag. Ein kräftiger Applaus war unser aller Dank.

 

Es folgte nun der filmische Rückblick auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres mit passender Hintergrundmusik. Alle blickten gebannt auf die große Leinwand und waren begeistert von diesem tollen Film, den unser Kollege Rolf Omasreither wieder für uns gestaltet hat. Wir alle waren uns einig: dies war wieder ein Meisterwerk von ihm. Und wie gerne erinnerten wir uns dabei an all die Höhepunkte, die wir bei diesen Veranstaltungen erlebt haben. Und vermutlich gab dieser filmische Rückblick auch manchmal den letzten Anstoß, sich in diesem Jahr doch für die eine oder andere Veranstaltung anzumelden. Verstärkt wurde dies noch durch den nächsten Filmbeitrag über das Programm 2026. Denn neben den organisatorischen Hinweisen und Informationen hatte Rolf Omasreither hier mit vielen dazu gehörenden Fotos das Interesse noch spürbar erhöht und damit animiert, sich im Anschluss gleich an die entsprechenden Informationstische zu begeben. Entweder um sich noch weitere Informationen einzuholen oder sich sofort anzumelden.

 

Als Fazit bleibt nur noch zu sagen, dass auch der 17. ASP-Infomarkt erneut eine sehr gelungene Veranstaltung war mit vielen interessanten Informationen aus unserer Kreissparkasse, mit dem tollen filmischen Rückblick und der Vorausschau auf die aktuell geplanten Veranstaltungen, aber auch mit der Freude über das Wiedersehen und die Begegnung mit den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Und so gilt auch unser aller Dank hier noch einmal dem Vorstand für seine Einladung, dem ASP-Team für seinen hohen persönlichen Einsatz sowie allen Helferinnen und Helfern im Hintergrund, die wie immer für einen reibungslosen und harmonischen Verlauf dieses Nachmittags sorgten.

 

 

Horst Neidhart

 

Fotos: Ralph Geiger, Rolf Omasreither

Gestaltung: Rolf Omasreither